Interview : "Privatanleger sind oft die Schlimmsten"

Herr Weber, wie schädlich ist Spekulation?

Spekulation bringt in der Regel nichts, oder präziser: Spekulation bringt nicht den erwarteten Betrag, weil sich die Zukunft nicht voraussagen lässt und Prognosen oft falsch sind.

Dann ist Spekulation irrational, aber unschädlich?

Das ist in vielen Fällen richtig. Die Hälfte der Leute gewinnt, die andere verliert. Und alle hoffen, dass sie zu den Gewinnern gehören.

Wie ist das Verhältnis bei der Spekulation gegen den Euro?

Genau so. Jeder, der gegen den Euro wettet, braucht jemanden, der dagegen hält. Sonst kommt kein Geschäft zustande. Ich verstehe nicht, warum nicht über diese Seite diskutiert wird. Die Spekulation auf einen steigenden Dollar – also die Gegenseite – gilt nicht als unschön. Man macht es sich zu einfach, wenn man die Schuldenkrise allein auf die Spekulanten abwälzt.

Die Trennung in gute und böse Zocker ist demnach gar nicht möglich.

So ist es. Böse sind nicht nur die Profis. Privatanleger sind oft die Schlimmsten. Wer Optionen auf den Dax kauft, keine Ahnung hat und sich kein Bild macht, ob er fällt oder steigt, ist ein Spekulant.

Ist das Verbot ungedeckter Leerverkäufe und Kreditausfallpolicen sinnvoll?

CDS sind eine Versicherung gegen den Ausfall von Krediten, also realwirtschaftlich sinnvoll. Es kommt aber darauf an, wie man sie nutzt. Werden sie mehrheitlich zum Schaden der Allgemeinheit eingesetzt, ist es sinnvoll die Spekulation damit einzuschränken.

Das ist schwer zu quantifizieren, weil die Geschäfte überwiegend außerhalb der Börsen stattfinden.

Dieser Markt muss transparent werden. Der Handel darf nur noch an regulierten Börsen stattfinden.

Und Leerverkäufe?

Sie sind an sich sinnvoll, weil sich damit auch jene Marktseite artikulieren kann, die einen Aktien- oder Wechselkurs für zu hoch hält. Auch hier kann der Markt versagen – ein Beispiel ist die Explosion der VW-Aktie im Zuge der Porsche- Übernahme. Hier muss die Regulierung eingreifen.

Das Interview führte Henrik Mortsiefer

Martin Weber ist BWL-Professor an der Universität Mannheim und Direktor des Instituts für Investmentbanking. Er hat den global anlegenden Arero-Fonds entwickelt.

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