Interview : „Privatisierungen sind gut“

Post-Chef Zumwinkel spricht mit dem Tagesspiegel über Strategie, Mindestlohn und Beschäftigungspakt.

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Klaus Zumwinkel will bis zu 250 Millionen Euro für Zukäufe ausgeben. -Foto: ddp

Herr Zumwinkel, einige Ihrer Großinvestoren wollen vor allem eins bei der Post sehen: endlich mehr Gewinn. Wann werden Sie diesen Wunsch erfüllen?

Es gibt auch Investoren, die zufrieden sind. Aber von denen hört man natürlich öffentlich nichts. Am 8. November werden wir in einem neuen Programm auf viele Kritikpunkte eingehen. Dabei geht es um mehr Transparenz, höhere Effizienz und die Verwendung der Finanzmittel, etwa für Ausschüttungen an unsere Aktionäre. Außerdem geht es um unsere Ergebnisziele. Die werden wir erfüllen und auf jeden Fall in diesem Jahr einen operativen Gewinn von 3,6 Milliarden Euro erzielen.

Ist auch Ihre Strategie betroffen?

Nein. Es wird keinen Verkauf der Postbank geben, wie einige spekulieren. Überhaupt möchte ich die Erwartungen, die bei manchen an den 8. November existieren, zurückschrauben. Die sind am Kapitalmarkt realistisch: Es geht um wichtige, aber handwerkliche Dinge.

Kritisiert wird, dass die milliardenschweren Investitionen der vergangenen Jahre in den Logistikbereich nicht den Gewinn bringen, den man sich am Ende des Briefmonopols wünschen würde. Wird die Logistik die Verluste beim Brief ausgleichen können?

Erst mal gibt es neben dem Briefgeschäft zwei Bereiche: Express und Logistik. Mit der Logistik sind wir zufrieden. Dort verdienen wir in diesem Jahr 900 Millionen Euro vor Zinsen und Steuern. Die Integration von Exel ist sehr gut verlaufen, unsere Synergierechnung ist aufgegangen.

Dafür haben Sie weiterhin große Probleme in den USA ...

Da geht es um das Expressgeschäft. Das schwächelt in den USA durch die Konjunkturprobleme. Dafür laufen die Geschäfte in Russland, China und Europa besser als geplant. Deshalb werden wir unser Gewinnziel von 400 Millionen Euro erreichen. Ende 2009 wollen wir auch in den USA schwarze Zahlen schreiben.

Und so können Sie die Belastungen durch die Liberalisierung beim Brief wegstecken?

Am 1. Januar 2008 beginnt ein neues Spiel. Das stimmt. Wir werden um jeden Kunden kämpfen. Beim Ergebnis könnten uns trotzdem durch den wachsenden Wettbewerb 200 bis 400 Millionen Euro verloren gehen. Wir haben aber im ganzen Konzern genug Möglichkeiten zum Ausgleich.

Vorausgesetzt, es gibt nicht noch zusätzliche Belastungen durch eine schwächere Konjunktur auf Ihrem Heimatmarkt. Wie schätzen Sie die Lage ein?

Ich bin für die deutsche Wirtschaftsentwicklung optimistisch. Die US-Bankenkrise wird meiner Meinung nach nicht auf die deutsche Realwirtschaft durchschlagen.

Wenn die Aussichten so gut sind, werden Sie bei den Tarifverhandlungen im kommenden Frühjahr den auslaufenden Beschäftigungspakt erneuern? Was passiert, wenn Sie sich bei der Diskussion um einen Mindestlohn in der deutschen Briefbranche nicht durchsetzen können?

Der Beschäftigungspakt hat mit dem Mindestlohn wenig zu tun. Wir sind auch in noch schwierigeren Zeiten in den 90er Jahren ohne betriebsbedingte Kündigungen ausgekommen. Ich hoffe, dass wir das auch in Zukunft schaffen. Ich gehe davon aus, dass es mit dem Beschäftigungspakt so weitergeht. Die Verhandlungen darüber gibt es aber erst nächstes Jahr.

Unter Ihrer Führung ist das Geschäft der Deutschen Post international stark gewachsen. Und Sie wollen weiter expandieren, etwa in Osteuropa. Wird der Konzern nicht langsam zu komplex?

So komplex ist der gar nicht. Wir haben klare Strukturen und sind klar aufgestellt. Es gibt viele Unternehmen, die so funktionieren wie wir.

Wenn das so ist und die Exel, wie Sie sagen, bereits gut integriert ist, wäre die Post fit für eine weitere große Übernahme ...

Ja, fit wären wir. Nur brauchen wir die großen Akquisitionen nicht mehr.

Warum?

Wir sind mittlerweile in jedem Land vertreten. Wir haben das Netzwerk, das wir brauchen, und die nötigen Größenvorteile. Wir wachsen durch zusätzliche Mengen, die in unser Netz eingespeist werden.

Sie schließen also weitere Firmenkäufe aus?

Nein. Zukäufe wird es zur Abrundung immer geben, aber in einer überschaubaren Größenordnung von maximal 250 Millionen Euro.

An der Deutschen Bahn hat sich eine Debatte über die Privatisierung von staatlichen Unternehmen entzündet ...

Zur Deutschen Bahn möchte ich nichts sagen. Ich bin aber prinzipiell der Überzeugung, dass die Privatisierung großer Staatsunternehmen gut ist. Auch Universitäten, bei denen private in Deutschland bisher nur eine kleine Rolle spielen, und viele andere Themen könnten effizienter geführt werden. Aber ich merke auch, dass in letzter Zeit mehr diskutiert wird.

Für die Post bedeutet das kommende Jahr den Lackmus-Test der Reform.

Dieser Lackmus-Test ist schon lange erfolgt. Wir sind international Vorbild für die Privatisierung einer Post. Wir werden in Japan und China um Rat gefragt. Die deutsche Postreform ist mit viel Vernunft gemacht worden. Gegen die nötigen Einschnitte – etwa einen größeren Abbau von Filialen – gab es starke Widerstände. Aber der Erfolg ist da. Die Deutsche Post ist keine Behörde mehr, die Verluste macht, sondern ein wettbewerbsfähiger Konzern mit Milliardengewinnen.

Das Gespräch führte Bernd Hops

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