Interview : "Wir müssen undercover bleiben"

Hannelore Hoffmann (60) ist eine von mehr als tausend Senior Scouts in Deutschland. Sie testet wie altersfreundlich Produkte sind. Vom neuen Auto bis zum Supermarkt.

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Foto: privat

Frau Hoffmann, Sie sind Senior Scout, was ist das?



Wir testen Produkte und Dienstleistungen und schauen, wo Menschen über 50 auf Probleme stoßen. Viele Firmen wollen überprüfen, wie seniorenfreundlich ihre Filialen sind, und wenden sich deshalb an die Senior Scouts. Die Vermittlung übernimmt eine Agentur.

Wie läuft so ein Test ab?


Wir gehen in die Geschäfte und schauen, wie aufmerksam das Personal ist. Neulich habe ich eine Tankstelle getestet. Da gehen wir dann gezielt hin, mit einem bestimmten Budget, das wir ausgeben dürfen, und kaufen ein, fragen rum und sehen, ob die Verkäuferin unwirsch ist oder zu wenig Zeit hat, sich um uns zu kümmern. Möglichst unauffällig, denn als Senior Scout muss man undercover bleiben.

Und auf was achten sie sonst noch?


Zum Beispiel darauf, dass in Supermärkten die Etiketten gut lesbar sind. Außerdem schaue ich, ob es genügend Sitzgelegenheiten gibt. Ich habe auch schon getestet, wie leicht sich Verpackungen öffnen lassen. Wir nehmen also Sachen ins Visier, die alle Menschen interessieren.

Kann man als Senior Scout reich werden?


Nein. Wir bekommen eine Aufwandsentschädigung, Fahrtkosten und einen kleinen Obolus. Mehr nicht. Ich mache es auch nicht des Geldes wegen. Es macht mir Spaß in Geschäfte zu gehen, in die ich sonst nie hineinkommen würde.

Seit wann sind Sie Senior Scout?


Ich bin seit knapp zehn Jahren dabei. Ich hatte in der Zeitung ein Inserat gelesen und mich daraufhin beworben. In der ersten Zeit war ich eine Karteileiche, aber dann hat die Agentur meinen Namen entdeckt und seitdem bin ich regelmäßig im Einsatz. Manchmal sogar jeden Monat.

Entdecken Sie viele Probleme?


Ich persönlich nicht, ich bin ja noch ziemlich fit. Aber bei den älteren Menschen, die nicht mehr gut sehen und laufen können, da hapert es schon. Und in der Werbung werden ältere Leute benachteiligt. Sie finden kaum eine weißhaarige Dame, die für Haarfärbemittel wirbt, obwohl das ja ein großer Markt ist.

Was würden Sie sich denn von der Wirtschaft wünschen?

Dass ältere Leute häufiger in der Werbung vorkommen und dass man die Zutaten auf Verpackungen nicht so winzig klein druckt. Denn für viele alte Leute ist das besonders wichtig, weil sie gewisse Dinge nicht essen dürfen.

Sie sind jetzt 60 Jahre alt. Wie lange wollen Sie den Job noch machen?


So lange ich als Tester gefragt bin und so lange ich laufen kann.

Das Gespräch führte J. Telgenbüscher.

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