Interview : "Wir stehen immer noch am Scheideweg"

Die schwarz-gelbe Regierung kommt, der DGB ist wenig begeistert. Drei Fragen an Detlef Wetzel von der IG Metall.

Interview von Alfons Freese
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Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Herr Wetzel, endlich eine schwarz-gelbe Regierung, jetzt kann sich der DGB mal wieder profilieren.



Darum geht es nicht. Entscheidend ist, dass unsere Themen und Vorschläge zur Krisenbewältigung in der Politik aufgegriffen werden. Und mit Abwrackprämie und Kurzarbeit ist uns das gelungen. Alles in allem ist der soziale Konsens zunehmend brüchig geworden. Deshalb hat der Einfluss der Gewerkschaften auf die Gestaltung der Gesellschaft abgenommen.

Der DGB bleibt schwach?

Der DGB ist keineswegs schwach. Die Summe der Einzelgewerkschaften macht den DGB aus. Dabei brauchen auch die Großen einen Dachverband, der die Interessen der verschiedenen Gewerkschaften bündelt und eine einheitliche Position organisiert und dann gegenüber der Politik artikuliert.

Welche Themen liegen an?

Wir stehen immer noch am Scheideweg: Wollen wir niedrige Löhne für billige Dienstleistungen oder hochwertige Produkte und Dienstleistungen mit Einkommen, die zum Leben reichen? Ferner wird uns die Rente mit 67 weiter beschäftigen, denn jeder weiß, dass viele Arbeitnehmer nicht bis 67 arbeiten können. Dann geht es darum, in der Krise einen katastrophalen Strukturwandel zu verhindern: Firmen, die jetzt an den Abgrund geraten, dürfen Banken und im Notfall auch der Staat nicht abstürzen lassen.

Detlef Wetzel ist zweiter Vorsitzender der IG Metall, mit rund 2,3 Millionen Mitgliedern die größte deutsche Gewerkschaft.

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