Wirtschaft : Invesco und Union Investment übernehmen zwölf Prozent der Aktien

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Umsatz soll im Jahr 2000 auf 250 Millionen Mark steigenpet

Die beiden führenden internationalen Investmentfonds Invesco und Union Investment sind bei der Deutschen Entertainment AG (Deag), Berlin, eingestiegen. Die Fonds hätten zusammen annähernd zwölf Prozent der Aktien übernommen, teilte die Entertainment AG am Donnerstag in Berlin mit. "Das Engagement ist ein Prädikat für uns", sagte Deag-Sprecher Martin Fabel. "Die beiden Fonds gelten als führende Akteure am Neuen Markt, die für ihr langfristiges Engagement bekannt sind." Ebenfalls am Donnerstag gab das Unternehmen bekannt, dass es für das Jahr 2000 eine Steigerung des Konzernumsatzes auf rund 250 Millionen Mark erwartet. Das sind 60 Prozent mehr, als das Unternehmen beim Börsenstart im Herbst 1998 als Umsatzziel angegeben hatte.

Der Invesco-Fonds hat laut Fabel den Greenshoe, also die ursprüngliche Mehrzuteilungsoption, von 210 000 Aktien (3,2 Prozent) gekauft, der Rest des insgesamt zwölfprozentigen Anteils hätten die Fonds auf dem freien Markt erworben. Nach dem Einstieg der Fonds Invesco und Union halte das Deag-Management um den Vorstandsvorsitzenden Peter Schwenkow jetzt 65,1 Prozent der Aktien, im Streubesitz befänden sich 34,9 Prozent der Unternehmensaktien. Nachdem bekannt wurde, dass die beiden Fonds bei der Deag eingestiegen sind, kletterte der (Kassa-)Kurs der Aktie am Donnerstag 3,50 Euro auf 33,50 Euro. Das Unternehmen ist seit September 1998 am Neuen Markt notiert.

Für die ersten neun Monate des Jahres hat die Entertainment AG ein Rekordergebis erwirtschaftet. Das Ergebnis vor Abschreibungen stieg auf 4,2 Millionen Mark. Gegenüber dem Vorjahr (1,2 Millionen Mark) ist dies ein Zuwachs von 250 Prozent. Das operative Ergebnis (EBIT) konnte sogar um 240 Prozent auf 3,4 Millionen Mark gesteigert werden. Im Vorjahreszeitraum hatte es noch 1,0 Millionen Mark betragen. Dagegen stieg der Umsatz in den ersten neun Monaten nur leicht um fünf Prozent auf 123 Millionen Mark, gegenüber 116,7 Millionen Mark im Vorjahreszeitraum.

Dies sei darauf zurückzuführen, dass in diesem Jahr die Umsatzschwerpunkte der Konzerte und Tourneen im 2. und im 4. Quartal liegen. Im vergangenen Jahr lagen dagegen die meisten Veranstaltungen, darunter Kassenschlager wie die Rolling-Stones-Tournee, im 3. Quartal, teilte das Unternehmen mit. Das Ergebnis des 4. Quartals 1999 werde das des 3. Quartals noch deutlich übertreffen. Dazu sollen unter anderem die Tourneen und Konzerte mit internationalen Stars wie Cher, Joe Cocker und der Kelly Family beitragen. Der Vorstandsvorsitzende Schwenkow zeigte sich sicher, dass die angepeilte Gewinnverdoppelung in diesem Jahr "voll erreicht" werde.

Um das rasante Wachstum bewältigen zu können, soll die Konzernstruktur der Deutschen Entertaiment AG nach Angaben von Unternehmenssprecher Fabel "neu sortiert werden". Schon im Geschäftsbericht 1999, der Ende März 2000 erscheinen wird, wird die vier-Säulen-Struktur mit den Bereichen "Theaters", "Artists & Tours", "Media & Commerce", sowie "Urban Entertainment" aufgeführt. Damit will die Deag - gemeinsam mit der Hamburger Wenzel Consulting AG - zum 1. Januar 2000 in das Management von Unterhaltungszentren und Erlebniswelten einsteigen.

Ein Ende des Deag-Wachstums ist nicht abzusehen. "Wir haben uns keine Höchstmarke gesteckt", sagte Fabel. Der Markt stehe in den nächsten Jahren vor einem radikalen Umbau. Viele kleine und mittlere Mitbewerber in Europa würden vom Markt verschwinden. In Deutschland liegt der Deag-Anteil bei gut zwölf Prozent, und soll in den kommenden Jahren auf ein Viertel ausgebaut werden. Erst im November hatte das Unternehmen, das in Berlin unter anderem den Wintergarten betreibt, das Kultur- und Kongresszetrum Jahrhunderthalle GmbH in Frankfurt (Main) gekauft. Auch das Düsseldorfer Apollo Varieté wird von der Entertaiment AG betrieben. Im Juli hatte die Deag zudem 50 Prozent an der Londoner Tournee-Agentur Marshall Arts Ltd. gekauft, einer der weltweit führenden Künstleragenturen. Bei der Eroberung der internationalen Märkte dürfte dies ein wichtiger Baustein sein. Wie hoch der derzeitige Anteil des Schwenkow-Unternehmens am fünf Milliarden Mark schweren europäischen Entertainment-Kuchen ist, ist schwer zu beziffern. "Es gibt keine belastbaren Zahlen", sagt Fabel. Als Hauptkonkurrent gilt der amerikanische Wettbewerber SFX-Entertaiment, der als einziger außer der Berliner Deag derzeit börsennotiert sei und damit die Expansion am Kapitalmarkt finanzieren kann.

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