Wirtschaft : Investitionen bringen Wachstum in Fahrt

Deutsche Wirtschaft legt im Herbst um 0,6 Prozent zu – der Export ist nicht mehr die einzige Stütze

Carsten Brönstrup

Berlin - Ein weiterhin starker Export und spürbar anziehende Investitionen der Unternehmen haben die deutsche Wirtschaft im dritten Quartal dieses Jahres deutlich in Schwung gebracht. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) – die Summe der produzierten Güter und Dienstleistungen – stieg um 0,6 Prozent gegenüber dem Frühjahr, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte. Im Vorjahresvergleich wuchs das BIP um 1,3 Prozent. Dennoch zeigten sich Finanzmarktexperten in einer Umfrage des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) im November leicht pessimistisch.

Von April bis Ende Juni war das BIP im Quartalsvergleich nur um 0,2 Prozent gewachsen – die ursprüngliche Schätzung der Statistiker vor drei Monaten hatte sogar nur bei 0,0 Prozent gelegen. Grund: Wegen der teuren Importpreise für Öl hatte der Außenhandel das Wachstum damals gebremst. Im Herbst lief das Auslandsgeschäft nun wieder besser, zudem kauften die Unternehmen wieder mehr Maschinen als im Vorquartal. „Das sind sehr schöne Zahlen, sie zeigen, dass es um die Konjunktur besser steht als bislang angenommen“, sagte Uwe Angenendt, Chefökonom der BHF-Bank. Erfreulich sei vor allem, dass die Unternehmen nach langer Zeit wieder investierten. Einen Beitrag zur besseren Lage habe auch der günstigere Wechselkurs des Euro geleistet.

Auftrieb werde es im kommenden Jahr durch die höheren Abschreibungsmöglichkeiten für die Firmen geben. „Vielleicht wächst die Wirtschaft ja so stark, dass die Mehrwertsteuer um weniger als drei Prozentpunkte steigen muss“, hoffte Angenendt. Ein halber Prozentpunkt mehr Wachstum bringe schon fünf Milliarden Euro in die Kassen von Staat und Sozialversicherungen. Der private Konsum war im Sommer nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums dagegen erneut rückläufig. Details veröffentlichen die Statistiker erst am 22. November.

Leicht skeptisch zeigten sich die mehr als 300 Finanzmarktexperten, die das ZEW allmonatlich zu ihren Konjunktureinschätzungen befragt. Wegen des schwachen Konsums sowie der Unsicherheit über den wirtschaftspolitischen Kurs sank der ZEW-Konjunkturindex leicht von 39,4 Punkten im Oktober auf 38,7 Punkte im November. Allerdings honorierten die Fachleute auch die robuste Industrieproduktion und die gute Auftragslage der Wirtschaft. An der Börse sorgten die Zahlen dennoch nicht für Begeisterung, der deutsche Aktienindex Dax legte am Dienstag um 0,4 Prozent auf 5110,61 Punkte zu.

Wie in der gesamten Wirtschaft hemmt die schwache Inlandsnachfrage auch die Geschäfte der deutschen Elektroindustrie. Die Firmen würden in diesem Jahr mit 165 Milliarden Euro knapp 1,5 Prozent mehr umsetzen, teilte der Verband ZVEI mit. „Nach wie vor leidet unsere Branche unter dem schwachen Inlandsgeschäft“, sagte ZVEI-Hauptgeschäftsführer Gotthard Graß. Der deutsche Markt sei immer noch kleiner als im Jahr 2000. Im kommenden Jahr erwartet der ZVEI ein zweiprozentiges Umsatzwachstum.

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