Investitionsbedarf : Von kleinen und großen Stromkunden

Damit Berlin Party-Hauptstadt bleiben kann, hat Vattenfall jetzt eine Million Euro entlang der Straße des 17. Juni investiert in das Projekt „Silvesterring“, wie der Tagesspiegel als erste Zeitung erfuhr.

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Wenn Deutschland ganz groß feiern will, dann meist entlang der Straße des 17. Juni im Herzen Berlins. Hier feierten schon oft mehr als eine Million Menschen gemeinsam ein WM-Sommermärchen oder den Jahreswechsel. Der Stromnetzbetreiber Vattenfall stand an solchen Tagen ziemlich unter Dampf: Stets mussten Techniker Kilometer Kabel durch den Tiergarten verlegen, damit hunderte Buden gleichzeitig Bier kalt oder Glühwein heiß machen konnten. Gastronomen wollen ihre Gäste zudem stets mit kilowattstarken Boxen beschallen. Und dann sind da noch die TV-Sender mit Kameras und Ü-Wagen, um die besten Livebilder der Party direkt über Satellit in die ganze Welt zu senden.

Damit Berlin Party-Hauptstadt bleiben kann, hat Vattenfall jetzt eine Million Euro entlang der Straße investiert in das Projekt „Silvesterring“, wie der Tagesspiegel als erste Zeitung erfuhr. Wer heute vom Brandenburger Tor gen Siegessäule spaziert, findet nun in den Gehweg diskret eingelassene gusseiserne Deckel, wie Hydranten. Dahinter befinden sich Stromanschlüsse mit der haushaltsüblichen Niederspannung von 400 Volt. 26 dieser „Elektranten“ hat Vattenfall auf der Meile zwischen dem Platz des 18. März und Yitzhak- Rabin-Straße installiert. Dazu kommen zwei Netzstationen: Eine liegt unter einem rostigen Gitter versteckt im weitläufigen Tiergarten. Dort hat Vattenfall in einem alten Kellerraum neue Schaltkästen und zwei hüfthohe Trafos eingebaut, an denen künftig fast alle Buden hängen. Eine zweite Netzstation baut Vattenfall jetzt unterirdisch nahe des Brandenburger Tors. Die soll später Bühnen oder TV-Stationen mit Strom beliefern.

Vattenfall investiert jährlich rund 240 Millionen Euro in den Ausbau des Berliner Stromnetzes, in diesem Jahr werden es sogar 290 Millionen sein. Sobald ein Unternehmen in Berlin einen neuen Betrieb aufbaut, kommen die Experten des Netzbetreibers, um den individuellen Energiebedarf zu ermitteln. Während der Friseur oder Besitzer eine Würstchenbude mit 400 Volt für alle Föns oder einen E-Herd gut bedient ist, gibt es auch Kunden, die so viel Strom verbrauchen, wie ein Großkraftwerk produziert.

Den größten Energiehunger der Stadt hat die Berliner S-Bahn. Sie verbraucht – wenn sie mal halbwegs nach Plan fährt – rund 400 Gigawattstunden im Jahr. Das ist etwa so viel wie 160 000 Berliner Durchschnittshaushalte. Allein für die S-Bahn betreibt Vattenfall drei große Umspannwerke: in Wilmersdorf, im Wedding und am Ostkreuz. In einer neuen Halle nahe des Bahnhofs stehen vier riesige Trafos, die den Strom von 110 000 Volt auf 30 000 Volt runterspannen. Von hier aus wird das S-Bahn-Netz für fast den gesamten Osten Berlins gespeist.

Andere Großkunden mit eigenem 110- KV-Umspannwerk sind die BVG, die Messe Berlin, das ehemalige Schering- Werk und die TU. Warum die Universität? Für PCs, Kaffeemaschinen und ein paar Labore? Angeblich stammt dieser Hochspannungsanschluss noch aus Mauerzeiten. Heute würde man den Bedarf wohl realistischer bewerten.

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