Investitionsklima : Berliner Unternehmer widersprechen US-Milliardär Lauder

Berlin ist wirtschaftsfeindlich, behauptet US-Milliardär Lauder. Das ist falsch, sagen Berliner Unternehmensverbände - und nehmen Wirtschaftssenator Wolf in Schutz. Was meinen Sie?

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Standortmarketing: Im Frühjahr 2011 wirbt die Stadt im Rahmen der Kampagne "Be Berlin" mit hiesigen Industrieprodukten.
Standortmarketing: Im Frühjahr 2011 wirbt die Stadt im Rahmen der Kampagne "Be Berlin" mit hiesigen Industrieprodukten.Foto: dpa

Die Rügen des US-Milliardärs sind hart. In Berlin gibt es ein wirtschaftsfeindliches Klima, der Senat verschreckt Investoren, anstatt sie willkommen zu heißen. Dies ist der Kern der Vorwürfe, die der US-Milliardär Ronald Lauder in einem Interview mit dem Tagesspiegel erhebt, das am vergangenen Sonnabend erschienen ist. Doch selbst in Berliner Wirtschaftskreisen stößt die Kritik des 67-jährigen Unternehmers eher auf Widerspruch. Firmen, die für ihre Vorhaben investieren wollen, fühlten sich inzwischen in der Stadt meist recht gut aufgehoben, kontern Industrie- und Handelskammer (IHK) und die Vereinigung der Unternehmensverbände in Berlin und Brandenburg (UVB) nahezu übereinstimmend.

Auch hinsichtlich der Industrieansiedlung habe sich seit 2010 etliches getan, sagte IHK-Sprecher Bernhard Schodrowski. Der vom Senat, Kammern, Verbänden und Gewerkschaften gemeinsam beschlossene „Masterplan Industrie“ gebe klare Ziele vor. Und der im Roten Rathaus tagende „Steuerungskreis Industriepolitik“, dem auch Wirtschaftsvertreter angehören, koordiniere nötige Schritte. Berlins Standortvorteile würden im Übrigen international wahrgenommen, sagt UVB-Chef Christian Amsinck – das zeige beispielsweise die Präsenz innovativer Firmen der Kreativ- und Kommunikationsbranche und der Green Economy. Oder die enge Verzahnung von Wirtschaft und Wissenschaft in Adlershof.

Karl Brenke vom DIW argumentiert mit Zahlen. Das durchschnittliche Wachstum Berlins in den vergangenen Jahren lag bei 2,5 Prozent. „Das ist bundesweit Spitze.“ Allerdings wachse Berlin von einem niedrigen Niveau aus, habe Nachholbedarf. Den „wirtschaftlichen Aufschwung“ halten auch der Regierende Klaus Wowereit (SPD) und Wirtschaftsenator Harald Wolf (Linke) Lauder entgegen. Und die Standortwerber von Berlin Partner verweisen auf Metropolenvergleiche. Dort belege Berlin als Investitionsstandort beste Plätze.

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