Investment : Guter Name, böses Spiel

Julius Meinl V., Spross einer der reichsten Familien Österreichs, soll Kleinanleger um Millionen gebracht haben.

Markus Huber[Wien]
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Geld und Kraft. „International Power“ hieß einer der Investmentfonds von Meinl. Doch zuletzt waren die Kurse rasant gefallen....

Als Julius Meinl V., der „Fünfer“, wie er in Wien nicht gerade schmeichelhaft genannt wird, am Freitagvormittag die Justizanstalt Josefstadt verließ, tat er dies nicht gerade standesgemäß: Er nahm ein Taxi. Es war ein alter, dunkelblauer Mercedes, der wohl schon einige Kilometer auf der Uhr hatte, und irgendwie passte das ganz gut zum Eindruck, den auch Meinl selbst vermittelte. Der sonst so smarte, immer ein bisschen jungenhaft wirkende Meinl wirkte ramponiert, seine Haare, sonst zu einer verwegenen Tolle nach vorne gekämmt, klatschten in Strähnen nach hinten, sein Gesicht war fahl, und er sah definitiv nicht jünger aus als jene 48 Jahre, die er biologisch auch alt ist.

Wirklich verwunderlich war das freilich nicht. Immerhin hatte Meinl, Präsident der gleichnamigen Bank und Spross einer der reichsten österreichischen Familien, gerade einen Tag und zwei Nächte in Untersuchungshaft verbracht – und auch das nicht gerade standesgemäß in einer schnöden Zwei- Mann-Zelle. Am Mittwochabend war Meinl nach einer mehrstündigen Einvernahme durch die Wirtschaftspolizei überraschend wegen Fluchtgefahr in U-Haft genommen worden. Die Behörden hatten offenbar erfahren, dass Meinl während seiner Einvernahme seinen Privatjet am Flughafen Wien auftanken ließ. Mit seiner Falcon hätte Meinl, der im Übrigen einen britischen Pass besitzt, bis New York fliegen und sich so dem Zugriff der österreichischen Behörden entziehen können. Als er am Freitag die Justizanstalt verließ, musste er einige Dinge zurücklassen, seinen Pass zum Beispiel. Meinl muss sich ab sofort monatlich bei der Polizei melden und etwaige Reisen mit den Behörden absprechen.

Und dann wäre da auch noch eine Kaution, die in dieser Höhe in Österreich noch nie festgesetzt worden war. Exakt 100 Millionen Euro musste Meinl bei Gericht deponieren. Mit der Verhaftung samt anschließender Freilassung auf Kaution hat die Affäre um Julius Meinl den V. nun ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht. Meinl wird der Untreue, der Provisionsschinderei und des gewerbsmäßigen Betrugs verdächtigt.

Konkret geht es dabei um die Firma Meinl European Land (MEL). Sie wurde 1997 gegründet, um Immobilien in Osteuropa zu entwickeln. 2002 kam sie an die Börse. 2007 kam es dann zu massiven Zu- und Rückkäufen von MEL-Papieren, die den Aktienkurs erst stützten und später krachen ließen. Dahinter stand ein gewagtes Konstrukt. Meinl selbst argumentierte immer wieder, dass er mit MEL nichts zu tun hatte, gleichzeitig war die von ihm geführte Privatbank aber in die Vorgänge involviert. Laut seinen Anwälten ist der Sachverhalt von damals relativ unbestritten, allerdings ist dieser aus ihrer Sicht nicht strafbar, da für die MEL, die auf den Kanalinseln eingetragen war, britisches Recht anzuwenden wäre und nicht kontinentaleuropäisches.

Laut Meinl-Anwalt Christian Hausmaninger sollen nun „die Missverständnisse mit dem Staatsanwalt aus der Welt geschafft werden“. Österreichischen Medienberichten zufolge hat Meinl mit der damaligen MEL-Aktion rund 300 Millionen Euro verdient, auf Kosten von Klein- und Kleinstanlegern, die ihr Geld im Vertrauen auf den guten Namen Meinl bei ihm angelegt hatten.

Tatsächlich ist der Name Meinl in Österreich so etwas wie eine Legende. Seit 150 Jahren – oder eben fünf Generationen – sind die Meinls aus der österreichischen Wirtschaftsgeschichte nicht wegzudenken. In der K.-u.-k.-Monarchie gründete der Kaffeeröster Julius Meinl die erste große Lebensmittelkette des Kaiserreichs. Über Generationen wurde die Marke aufgebaut, seit 1924 mit dem Logo des „Meinl-Mohrs“, einem schwarzen Jungen mit rotem Fes auf dem Kopf. Julius V., in England geboren, hatte mit dem unspektakulären Lebensmittelhandel wenig am Hut. Nachdem er die Macht im Familienimperium übernommen hatte, konzentrierte er sich lieber auf die Banksparte des Hauses und begann, das einstige Kerngeschäft abzustoßen. Im Jahr 2000 verkaufte er die letzten Teile des Lebensmittelkonzerns. Einzig das traditionsreiche Spezialitätengeschäft „Meinl am Graben“ behielt er – wohl aus Nostalgie.

Den Erlös des Verkaufs investierte er in seine Bank, die zunächst für eine betuchte Privatklientel reserviert war. In den vergangenen Jahren des Booms an den Börsen öffnete Meinl aber seine Strategie und legte immer waghalsigere Papiere und Fonds auch für die breite Masse auf. Dahinter standen, wie jetzt offensichtlich wird, besonders waghalsige Spekulationen, die aber vom guten Namen Meinl übertüncht waren. Meinl selbst avancierte zum Liebling der Society und hatte beste Kontakte zur heimischen Politik- und Medienwelt. Der smarte Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser war ein enger Freund Meinls, nach seinem Ausstieg aus der Politik arbeitete er auch für ihn. Doch seit Meinls Kurzaufenthalt in der Justizanstalt Josefstadt wird es damit wohl vorerst vorbei sein.

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