Wirtschaft : Investmentfonds: Auch Wechselkurse ins Kalkül ziehen

Holger Alich

Totgesagte leben länger. Dank guter Konjunkturaussichten in Euroland und weiterer Zinserhöhungsfantasien ist der Euro in jüngster Zeit wieder deutlich gestiegen. Zuvor hat die schwache Gemeinschaftswährung nur jenen Anlegern Freude bereitet, die ihr Geld zum Beispiel in US-Aktien angelegt haben. Zum einen proftierten sie von den steigenden Aktienkursen der USMärkte, zum anderen gewannen sie dadurch, dass ihre Dollar-Investments - in Euro umgerechnet - wertvoller wurden.

Währungseinflüsse müssen auch Fondssparer ins Kalkül ziehen. Dabei schlagen Wechselkursänderungen je nach Fondsgattung mal stärker und mal schwächer durch. Auch der Anlagehorizont spielt dabei eine Rolle. Wichtig ist: Die Währung, in der ein Fonds aufgelegt ist, spielt für den Anleger keine Rolle. Ein in Euro-notierter EuropaFonds ist einem in Dollar-notierten Europa-Produkt nicht wegen der Fondswährung vorzuziehen. Dennoch legen einige Fondsgesellschaften bestehende, in Dollar-notierte Fonds aus Marketinggründen in Europa auch in Euro auf. Die US-Fondsgesellschaft Fidelity hat zum Beispiel die Fondsfamilie "Professional Advisor" aufgelegt. Der Anteilspreis wird in Euro angegeben, aber außer der Fondswährung gleichen die Produkte bestehenden Fonds. Dies sei aus Anlegerfreundlichkeit geschehen, heißt es bei Fidelity, da der Investor die veröffentlichten Fondsanteilspreise nicht mehr in Euro umzurechnen braucht.

Entscheidend für den Anleger ist nicht so sehr die Fondswährung, sondern in welche Währungsräume der Fondsmanager die Kundengelder anlegt. "Bei Aktienfonds kann die Währung auf Sicht von zehn Jahren vernachlässigt werden", erläutert Iris Albrecht, Vorstand der Vermögensberatung Fondskapital. Denn während der US-Dollar in diesem Zeitraum maximal um 20 Prozent schwanken würde, hätten sich die Aktienkurse in den letzen zehn Jahren in der Regel verfünf- bis gar versiebenfacht. Mit anderen Worten: Das Kursplus der Aktien gleicht mögliche Währungsrisiken in diesem langen Zeitraum mehr als aus. "Wer mit einem so langen Zeithorizont investiert, sollte den US-Aktienmarkt auf keinen Fall aus Angst vor Währungsschwankungen ignorieren", rät die Expertin. Anders sieht dies bereits aus, wenn ein Anleger das Geld aus seinem Aktienfonds bereits nach einem Jahr wieder braucht. "Auf diese kurze Sicht sind die Währungsrisiken zu groß", erläutert Albrecht. In diesem Fall sollten Anleger lieber in der Heimatwährung Euro investieren und auch besser die Finger von Aktienfonds lassen, da in diesem kurzen Zeitraum das Kursrisiko bei den Dividendentiteln zu groß ist.

Die Suche nach Währungsgesicherten Aktienfonds dürfte schwierig werden. Nach Aussage von Fritz Zerweck, Leiter der Vermögensverwaltung von Portfolio-Concept würden "Währungsabsicherungsgeschäfte bei Aktienfonds eher unterlassen". Der Grund: Das Absichern von Positionen kostet Geld und knabbert damit an der Wertentwicklung.

Bei Rentenfonds raten beide Experten unisono zur Vorsicht bei Produkten, die außerhalb des Euroraums investieren. "Hier kann das Kursplus der Anleihen nicht immer mögliche Währungsschwankungen ausgleichen", erklärt Albrecht. So würden US-Anleihen zwar zwei bis drei Punkte mehr Zinsen bieten. Steigt der Euro aber wieder auf einen Kurs von über einem Dollar, wird aus diesem Vorteil schnell ein Verlust. Um die Performance aufzupeppen, können EuroRentenfonds zum Beispiel risikoreichere und damit höher verzinste Unternehmensanleihen aus Euroland ins Depot nehmen.

Ralf Schreyer, Rentenfondsmanager bei der DWS, rät Anlegern, internationale Rentenfonds nicht von der Liste der Investmentmöglichkeiten zu streichen. "Sicherlich sind bei Rentenfonds Währungsfaktoren zu beachten. Aber wir sichern einen großen Teil unserer Fremdwährungsbestände gegen Kursrisiken ab", erläutert der Experte.

Laut Schreyer würden bei weltweit anlegenden Rentenfonds zwei Drittel des Portfolios in Fremdwährungsanleihen investiert."Davon sichern wir maximal die Hälfte gegen Währungsrisiken ab", versichert Schreyer für die eigenen Gesellschaft. Das würde das Investitionsrisiko für den FondsAnleger mindern.

In jedem Fall unsinnig sind Fremdwährungs-Engagements bei Geldmarktfonds. Der Satz für Tagesgeld liegt in den USA zwar bei über sechs Prozent, doch bei einer DollarAbwertung kann dieser Zinssatz für Anleger sehr teuer werden.

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