Wirtschaft : Investmentfonds: Auf dem Weg zu transparenten Fondsgebühren

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Investmentfonds sind teurer als es den Anschein hat. Denn nicht nur der einmalige Ausgabeaufschlag fällt an, sondern auch die laufenden Fondskosten. Der Weg zu einer transparenten Darstellung letzterer Kosten scheint noch weit. Das führen Experten unter anderem auch darauf zurück, dass die Pläne der Europäischen Union für mehr Kostentransparenz bei Fonds frühestens im Jahre 2002 realisiert werden dürften. In der Zwischenzeit machen sich aber schon die britische Fondsresearch- und Consultingfirma Fitzrovia sowie die schweizerische Großbank UBS für eine aussagekräftige Darstellung der laufenden Gesamtkosten stark. Die Londoner veröffentlichen Daten für Fonds in verschiedenen Ländern, die Züricher publizieren ähnliche Zahlen für ihre eigenen Produkte.

Bei den laufenden Kosten kommen viele Einzelposten zusammen: Die Managementgebühr als Entgelt für die Verwaltung des Portfolios, außerdem Kosten für Wertpapierverwahrung, Administration, Druck der Rechenschaftsberichte - und vor allem für die Transaktionen im Fonds. Der durchschnittliche Aktienfonds deutschen Rechts wird laut Fitzrovia jährlich mit 1,15 Prozent belastet, von denen 0,83 Prozent auf die Managementgebühr entfallen. Das erscheint im europäischen Vergleich mit Ländern wie Italien, Großbritannien und der Schweiz preiswert. Die Kosten liegen allerdings deutlich höher, wenn zu den Fonds deutschen Rechts die hier zu Lande angebotenen, aber über andere Länder - insbesondere Luxemburg - lancierten Aktienprodukte einbezogen werden. Dann liegt die Gesamtkostenbelastung bei 1,83 Prozent. Die Kosten sind auch abhängig von der Anlageausrichtung. Am teuersten sind die in europäischen Schwellenländern anlegenden Produkte mit durchschnittlich 2,73 Prozent.

Die Fitzrovia-Daten enthalten alle regelmäßig anfallenden Kosten, die aus den Rechenschaftsberichten der Fonds ablesbar sind. Im angelsächsischen Raum ist diese Abgrenzung der Gesamtkostenbelastung als "Total expense ratio" seit langem bekannt. Investmentfonds in den USA weisen sie regelmäßig aus. Davon ist Europa noch weit entfernt. Der deutsche Fondsverband BVI verweist auf die Initiative der nationalen Investmentvereinigungen in Europa. Es geht um den vereinfachten Verkaufsprospekt, der den Anlegern in Zukunft beim Fondskauf ausgehändigt werden und die bisherigen - meist wenig verständlichen Dokumente - ablösen soll. Dieser Prospekt enthält in seiner vorliegenden Form auch den Punkt "laufende Kosten".

Mühsame Fortschritte in Europa

Die Diskussionen darüber sind allerdings eingebettet in den laufenden Entscheidungsprozess über eine Reform der europäischen Investmentdirektive aus dem Jahre 1985. Sie soll die Standards für das Investmentgeschäft aktualisieren, Experten rechnen aber frühestens 2002 mit einer Verabschiedung.

Diskussionen über die Methodik zur Errechnung einer Gesamtkostenbelastung erschweren die Debatte. Besonders die Transaktionskosten im Fonds sind kaum in den Griff zu bekommen. Allein schon deshalb, weil Wertpapierkäufe und -verkäufe oft auf so genannter Netto-Basis abgerechnet werden. Die Gebühren sind dann im abgerechneten Kurs eingerechnet, also nicht direkt ersichtlich. Transaktionskosten bleiben daher auch in den Fitzrovia-Zahlen ausdrücklich außen vor. Als einzige bekannte Bank in Europa scheint die schweizerische UBS das Kostenthema offensiv anzugehen. Sie publiziert seit Jahren für ihre Produkte Gesamtkostenbelastungen als "All-in-fee". Was das für die Transparenz bedeutet, erläutert UBS anhand eines internationalen Aktienfonds: Bei ausgewiesener Managementgebühr von 1,0 Prozent liegt die Total expense ratio bei 1,3 Prozent, die All-in-fee bei 1,5 Prozent.

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