Investments bei Nichtregierungsorganisationen : Festgeld statt Risikogeschäft

Deutsche Nichtregierungsorganisationen gehen nach dem Skandal um risikoreiche Geldgeschäfte auf Distanz zu Greenpeace: Zockereien gebe es bei ihnen nicht.

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Riskantes Manöver. Weil ein Mitarbeiter 3,8 Millionen Euro verzockt hat, steht Greenpeace in der Kritik.
Riskantes Manöver. Weil ein Mitarbeiter 3,8 Millionen Euro verzockt hat, steht Greenpeace in der Kritik.Foto: dpa

Nach dem Skandal um riskante Wechselkursspekulationen bei Greenpeace distanzieren sich deutsche Nichtregierungsorganisationen von den Geldgeschäften der Umweltschutzorganisation. Ein mittlerweile entlassener Mitarbeiter der Amsterdamer Greenpeace-Zentrale hatte bei Termingeschäften auf sinkende Euro-Kurse gesetzt und dabei 3,8 Millionen Euro verloren.

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Nach Bekanntwerden der Verluste hatten 700 Förderer in Deutschland der Umweltschutzorganisation den Rücken gekehrt.

Die deutsche Sektion des WWF überweist Projektgelder ausschließlich in Euro

„So etwas kann bei uns nicht passieren, weil wir keine Währungsschwankungen ausgleichen müssen“, sagt Roland Gramling, Sprecher des World Wide Fund for Nature (WWF) Deutschland mit Blick auf die Risikogeschäfte bei Greenpeace. Die deutsche Sektion der international agierenden Naturschutzorganisation finanziert sich laut aktuellem Rechenschaftsbericht zu gut 50 Prozent aus privaten Spenden und rund einem Viertel aus institutionellen Zuwendungen. Dieses Geld wird in der Regel bestimmten Projekten zugewiesen und dann in mehreren Tranchen auf ein zugehöriges Konto überwiesen – in Euro.

Aktien kauft die Organisation nach ethischen und ökologischen Gesichtspunkten

Der WWF ist eine Stiftung; 2013 verfügte die Organisation nach eigenen Angaben über Finanzanlagen in Höhe von rund 21 Millionen Euro. Das Stiftungskapital, etwa zehn Millionen Euro, sei dabei konservativ in Bundesschatzbriefen angelegt. Die restlichen elf Millionen stecken zu 70 Prozent in Rentenpapieren und zu 30 Prozent in Aktien, die nach ökologischen und ethischen Kriterien ausgewählt werden. Erwägt der WWF beispielsweise, Geld in Staatsanleihen anzulegen, müssen diese bei den Ratingagenturen mindestens in der Kategorie A eingestuft sein. Als weitere Sicherheit gilt bei allen Finanztransaktionen des WWF laut Gramling das Vier-Augen-Prinzip: Sowohl ein Mitarbeiter der kaufmännischen Abteilung als auch deren Chefin müssen die getätigten Geldanlagen absegnen.

Ärzte ohne Grenzen hält eine Geldreserve vor, die in Festgeld angelegt ist

Der deutsche Zweig der Organisation „Ärzte ohne Grenzen“ gibt die von ihm eingeworbenen Spenden und öffentlichen Mittel nach eigenen Angaben in vielen Ländern mit unterschiedlichen Währungen aus. Der Verein leistet medizinische Hilfe für Menschen in Not. Um auf Schwankungen auf der Einnahmeseite reagieren und Nothilfeeinsätze in aller Welt kurzfristig finanzieren zu können, hält Ärzte ohne Grenzen in Deutschland eine Reserve vor, die hierzulande als Festgeld angelegt ist. Ende 2012 betrugen diese Rücklagen laut Geschäftsbericht rund 9,5 Millionen Euro. Termingeschäfte sind als Geldanlage ausgeschlossen.

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Spenden an Ärzte ohne Grenzen in Deutschland fließen auf ein Girokonto und werden von dort an fünf operative Zentren in Europa weitergegeben, die dann die Mittel verteilen.

Amnesty International hat Geld fest angelegt

Auch die aus Spenden, Mitgliedsbeiträgen und Erbschaften finanzierte Nichtregierungsorganisation Amnesty International Deutschland hält eine Reserve vor, im Geschäftsjahr 2013 waren es rund 4,9 Millionen Euro. „Wir brauchen eine gewisse Rücklage, um uns beispielsweise für das Einnahmeloch im Sommer zu wappnen“, erläutert Ferdinand Muggenthaler, Sprecher der Menschenrechtsorganisation, auf Anfrage. Um kurzfristig auf das Geld zugreifen zu können, hat der Verein die Zahlungsmittel in Fest- und Tagesgeldern angelegt. Aktien, Anleihen und sogar die festverzinslichen Schatzbriefe sind dagegen tabu. „Wir wollen schließlich nicht mit den Spendeneinnahmen spekulieren“, sagt Muggenthaler.

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Mit Blick auf die gescheiterten Wechselkursspekulationen bei Greenpeace weist der Amnesty-Sprecher darauf hin, dass das internationale Sekretariat der in mehr als 150 Ländern tätigen Organisation in London Konten in unterschiedlicher Währung besitzt – und sich somit gegen Wechselkursrisiken absichern muss. Um das Risiko gering zu halten, vereinbare Amnesty International für bestimmte Projekte deshalb feste Wechselkurse.

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