Investments der Rockefeller-Brother-Stiftung : „Beim Gewinn machen wir keine Abstriche“

Investitionen in eine nachhaltigere Welt – das hat sich die Rockefeller Brother Stiftung nun zum Ziel gesetzt. Über 850 Millionen verfügt der RB-Fund. Im Interview erklärt Stiftungspräsident und Rockefeller-Nachfahre Stephen B. Heintz wieso der RBF nun aus der Kohle-Energie aussteigt.

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Investitionen für eine „gerechtere, nachhaltige und friedliche Welt“ – das hat sich die Rockefeller Brother Stiftung zum Ziel gesetzt. Sie verwaltet derzeit ein Vermögen von 850 Millionen Dollar.
Investitionen für eine „gerechtere, nachhaltige und friedliche Welt“ – das hat sich die Rockefeller Brother Stiftung zum Ziel...Foto: Patrick Pleul/dpa

Herr Heintz, Sie investieren das Vermögen des Rockefeller Brothers Fund nicht mehr in fossile Energie wie Kohle. Warum?

Der Klimawandel ist die größte Herausforderung unserer Zeit. Deshalb finanzieren wir schon lange Umweltaktivitäten, die auf die Reduzierung von CO2-Emissionen abzielen. Gleichzeitig haben wir unser Vermögen aber lange in Finanzanlagen investiert, die den Klimawandel befördern. Das kam uns scheinheilig vor.

Moral ist das eine. Es gibt aber doch sicher auch finanzielle Gründe für Ihren Ausstieg.

Ja, uns hat die ökonomische Analyse überzeugt, dass in Zukunft fossile Energie zur riskanten Anlage wird. Wir können die weltweiten Reserven an fossilen Energieträgern nicht verbrennen, wenn wir das Zwei-Grad-Ziel bei der Erderwärmung einhalten wollen. Und zu diesem Ziel haben sich schließlich gerade erst die G-7Staaten bekannt. Das heißt aber, dass die Investitionen in fossile Energieträger langfristig an Wert verlieren. Gleichzeitig werden sich die Investitionen in erneuerbare Energie immer mehr lohnen.

Stephen B. Heintz ist einer der Nachfahren des Ölbarons John D. Rockefeller und Präsident des Rockefeller Brothers Fund (RBF).
Stephen B. Heintz ist einer der Nachfahren des Ölbarons John D. Rockefeller und Präsident des Rockefeller Brothers Fund (RBF).Foto: Rockefeller Brothers Fund

Im vergangenen Jahr haben Sie zugesagt, nur noch weniger als ein Prozent Ihres Vermögens in Firmen zu investieren, die Kohle oder Ölsand fördern. Haben Sie dieses Ziel bereits erreicht?

Das haben wir. Wir sind jetzt bei unter 0,5 Prozent. Langfristig wollen wir natürlich so nah an die null Prozent herankommen wie möglich. Doch das ist einfacher gesagt als getan. Wenn Sie Geld in Fonds anlegen, müssen Sie erst einmal herausfinden, ob die in Kohlefirmen investieren.

Werden Sie als Nächstes Ihre Gelder auch aus der Öl- und Gasindustrie abziehen?

Ja, vor allem aus der Ölindustrie. Dabei haben wir schon gute Fortschritte gemacht. Noch vor einem Jahr waren wir mit sieben Prozent unseres Vermögens an fossilen Energieträgern beteiligt. Heute sind wir bei 4,5 Prozent. Aus dem Gassektor sind wir aber noch nicht vollständig ausgestiegen. Denn wir glauben, dass wir Gas als Energieträger zumindest für eine Übergangszeit auf jeden Fall noch brauchen werden.

Wo investieren Sie Ihre Gelder, wenn nicht in Kohle und Öl?

Wir haben uns das Ziel gesetzt, schon bald zehn Prozent unserer Gelder in Firmen zu investieren, die daran arbeiten, die CO2-Emissionen zu reduzieren. Das geht aber noch nicht so schnell, wie wir gehofft haben. Das liegt unter anderem daran, dass der Markt für grüne Technologie noch nicht ausgereift ist. Zum einen sind die politischen Rahmenbedingungen unsicher. Zum anderen gibt es noch immer keinen fairen Preis für CO2-Emissionen. Gäbe es den, würde das die grüne Technologie wettbewerbsfähiger machen, der Markt würde weiter wachsen. Dann gäbe es in diesem Bereich auch mehr Anlagemöglichkeiten. Schließlich wollen wir keine Zugeständnisse bei der Höhe unserer Gewinne machen.

Bislang ist auch noch keine Großbank aus dem Geschäft mit Kohle, Gas oder Öl ausgestiegen ...

Das stimmt. Aber ich habe das Gefühl, dass man das Thema mittlerweile auch in den großen Investmentbanken ernster nimmt. Morgan Stanley hat zum Beispiel ein Institut gegründet, um seine Kunden zum Klimawandel besser beraten zu können. Das Thema wird also zunehmend im klassischen Bankensektor diskutiert.

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