Wirtschaft : Investor Flowers verhandelt mit Senator Sarrazin

fmd/HB

Der US-Investmentbanker Christopher Flowers sieht gute Chancen, bei einer Privatisierung der Bankgesellschaft Berlin, die Lasten des Landes Berlin mindern zu können. "Wir denken, dass wir mit unserem Konzept die Risiken des Landes für das Neugeschäft gewaltig reduzieren können", erklärte Flowers in einem Gespräch mit dem Handelsblatt. Außerdem wäre er bereit, einen "substanziellen Kaufpreis" für das Institut zu zahlen, das sich zu 81 Prozent in Landesbesitz befindet. Zweifelsohne müsste das Land Berlin aber in der Pflicht bleiben, die bestehenden Risiken für das Altgeschäft insbesondere im Immobilienbereich mitzutragen. Wie am Abend bekannt wurde, ist der Bankmanager Ernst-Otto Sandvoß am Donnerstag erwartungsgemäß zum neuen Aufsichtsratsvorsitzenden der Bankgesellschaft gewählt worden. Das Land hatte den 67-jährigen Sandvoß, der seit Sommer 2001 im Aufsichtsrat des Institutes vertreten ist, Ende Januar für diesen Posten vorgeschlagen. Sandvoß tritt die Nachfolge von Dieter Feddersen an.

US-Investor Flowers war am Mittwochabend mit dem neuen Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) zusammengetroffen. Flowers kritisierte, dass sich das Institut nicht auf das Privatkundengeschäft konzentriert habe. Hier verfügt die Bank mit rund 60 Prozent über einen starken Marktanteil. Da die Marktbedingungen zur Zeit schwierig seien, und die Bankgesellschaft in einem wirtschaftsschwachen Umland agiere, werde es wahrscheinlich lange dauern, bis schwarze Zahlen geschrieben werden. "Wir treten hier aber als langfristiger Investor auf", bekräftigt Flowers. "Es wird über mehrere Jahre hinweg keine betriebsbedingten Kündigungen geben", sagt Flowers. Begrüßen würde es der Banker, wenn das Land mit einer Minderheitsbeteiligung im Boot bliebe.

Auch Vertreter der Texas Pacific Group, die ebenfalls Interesse an der Bankgesellschaft hat, halten sich zurzeit zu Gesprächen in Berlin auf. Es ist das erste Zusammentreffen der Investoren mit dem Finanzsenator seit den Wahlen. Grundsätzlich herrscht im SPD/PDS-geführten Senat offensichtlich Konsens darüber, sich von der Bankgesellschaft zu trennen. Auch der Präsident der Berliner IHK, Werner Gegenbauer, sprach sich gegenüber dem Handelsblatt erneut für eine "schnellstmögliche Privatisierung" der Bankgesellschaft aus.

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