Investoren gesucht : Opel umwirbt die Scheichs

Die Suche nach einem Investor für den angeschlagenen Autobauer Opel wird forciert. In Regierungskreisen hieß es am Sonntag, es gebe Gespräche mit verschiedenen potenziellen Interessenten. Darunter sei auch ein arabischer Investor aus Abu Dhabi.

Berlin/Frankfurt am MainDessen Repräsentanten hätten bereits Gespräche mit Vertretern der Regierung und der Länder mit Opel-Standorten geführt. Die Verhandlungen befänden sich aber noch in einem sehr frühen Stadium.

Die Bundesregierung hat unterdessen den Übernahme-Experten Eric Fellhauer von der US-Investmentbank Lazard als Berater berufen. Nach Informationen aus Regierungs- und Branchenkreisen ist der 42-Jährige Investmentbanker der einzige Wirtschaftsvertreter in der fünfköpfigen Opel-Taskforce, die Ende vergangener Woche das erste Mal getagt hatte.

Die Tochter des US-Konzerns General Motors (GM) braucht der Konzernmutter zufolge 3,3 Milliarden Euro an staatlichen Hilfen von den europäischen Regierungen sowie einen Investor, um sein Überleben zu sichern. Nach Worten von GM-Europa-Chef Carl-Peter Forster zählen zu den Interessenten Firmen aus der Private-Equity-Branche sowie Staatsfonds. Vom Staatsfonds Aabar, der bereits bei Daimler eingestiegen war, kann Opel keine Rettung erwarten. „Aabar hat kein Interesse, Anteile an Opel zu erwerben“, sagte ein Mitglied der Unternehmensleitung der Aabar-Muttergesellschaft International Petroleum Investment Company, dem „Handelsblatt“. Der weltgrößte Staatsfonds, die Abu Dhabi Investment Authority, winkte ebenfalls ab. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) umwarb Scheich Hamdan von der Königsfamilie Abu Dhabis.

Hamdan, Vizepremier der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), bestätigte das Interesse. Es gebe staatliche Investmentfonds oder private Investoren in den VAE, die zu einem solchen Geschäft in der Lage seien, sagte er der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“. „Ich weiß, wie wichtig diese Frage für Deutschland ist.“ Die Entscheidung hänge unter anderem von einer geplanten Präsentation einer deutschen Delegation für die VAE ab. Generell seien die Emirate sehr an Investitionen in Deutschland interessiert – nicht nur in der Autobranche, sondern bei erneuerbaren Energien.

Im Ringen um einen neuen Opel-Anteilseigner kommt Eric Fellhauer als Investmentbanker in der Opel-Taskforce eine Schlüsselposition zu. Der Lazard- Banker gilt als Fachmann für Beteiligungen und Firmen-Zusammenschlüsse. Der promovierte Wirtschaftsingenieur hat schon zahlreiche Fusion begleitet, wie den Kauf von Buderus durch Bosch, den Verkauf von Reemtsma durch Tchibo sowie den Zusammenschluss von Thyssen und Krupp. Neben Fellhauer sitzen in der Opel-Taskforce der Regierung, deren Vorsitz Wirtschafts-Staatssekretär Jochen Homann innehat, sonst nur Vertreter der Politik. Fellhauer ist damit neben dem Opel-Koordinator der Regierung, dem Berater Roland Berger, der wichtigste externe Wirtschaftsberater im Bemühen um eine Lösung für den Autobauer. Opel selbst hatte jüngst die Commerzbank beauftragt, einen Investor zu finden. Ein Opel-Sprecher sowie Lazard wollten zu den Informationen nichts sagen.

Im Tauziehen um Opel fokussieren sich Politik und Hersteller auf eine Lösung mit Hilfe eines privaten Investors und staatlicher Bürgschaften. GM stellt sich darauf ein, dass eine Lösung noch Monate brauchen könnte. Die Opel-Mutter kündigte bereits Ende vergangener Woche „Notfallpläne“ für das Europa-Geschäft an.

Schwierigkeiten bei der Investorensuche könnte die unklare Vermögenslage bei Opel bereiten. Nach einem Bericht des „Focus“ hat GM neben den Opel-Patenten, die als Sicherheiten für Milliardenhilfen an die US-Regierung abgetreten wurden, auch alle Standorte an die Banken verpfändet. „Opel ist nur eine Hülle“, zitierte das Magazin ein Mitglied der Bundesregierung. Der Autobauer habe keinerlei Vermögenswerte, und GM darauf auch keinen Zugriff mehr. Ein Opel-Sprecher sagte, es sei Teil der Verhandlungen, so etwas zu klären. bac/hz/pm/rob/str (HB)

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