Wirtschaft : Investoren stehen auf VW

Aktie steigt rasant/US-Milliardär in Verdacht/Entscheidung über neuen Geländewagen am Montag

Alfons Frese

Berlin - Volkswagen steht vor wichtigen Weichenstellungen. An diesem Freitag befasst sich der Aufsichtsrat mit der strategischen Konzernplanung, und am kommenden Montag steht die entscheidende Verhandlungsrunde über den Produktionsstandort des neuen Geländewagens „Marrakesch“ an. Doch am Donnerstag stand erst mal die Aktie im Mittelpunkt: Das VW-Papier stieg zeitweise um mehr als fünf Prozent auf 50,74 Euro und damit auf den höchsten Wert seit drei Jahren. Gerüchte über massive Käufe des US-Milliardärs und Großaktionärs von General Motors, Kirk Kerkorian, machten die Runde und stimulierten offenbar den einen oder anderen Anleger zu Käufen. Albrecht Denninghoff, Autoanalyst bei der Hypo-Vereinsbank, sagte auf Anfrage, „offenbar kauft sich jemand ein Paket zusammen“. Die Umsatzentwicklung der VW-Aktie in den vergangenen Tagen lasse keinen anderen Schluss zu. In den zurückliegenden drei Wochen hat das VW-Papier seinen Wert um rund 20 Prozent gesteigert.

Hinter dem Kursaufschwung vermutet Denninghoff verschiedene Käufertypen. Entweder handele es sich um einen „aggressiven Investor, der rasch auf Veränderungen bei VW drängt“. Das könnten Hedge-Fonds oder auch Kerkorian sein. Der US-Investor war bereits mehrmals bei Chrysler ein- und dann mit Gewinn wieder ausgestiegen. In den vergangenen Monaten hatte sich Kerkorian mit mehr als neun Prozent bei General Motors, dem größten Autohersteller der Welt, beteiligt.

Den zweiten Typus des möglichen aktuellen VW-Käufers beschreibt Denninghoff als „normalen Finanzinvestor“, etwa aus dem arabischen Raum, der den Konzern auf gutem Wege sehe und Hoffnung in die angekündigten Sparmaßnahmen setze. Nicht zuletzt auf Grund des VW-Gesetzes, das dem Land Niedersachsen als größtem VW-Aktionär eine Sonderrolle einräumt, ist der Einstieg eines aggressiven Investors, der die Geschäftspolitik nachhaltig ändert oder sogar die Zerschlagung des Konzerns betreibt, eher unwahrscheinlich. Wie viele Aktien derzeit in der Hand eines Investors sind, ist nicht bekannt. Wenn ein Käufer mehr als fünf Prozent der Anteile hält, muss er dies binnen einer Woche publizieren.

Dass dies zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht geschehen ist, muss nicht viel heißen. So können sich verschiedene Investoren abgesprochen haben und abgestimmt Anteile kaufen, ohne jeweils die Fünf-Prozent-Marke zu überschreiten. Nach dem Land Niedersachsen (18,2 Prozent) sind die US-Fonds Brandes mit derzeit mehr als zehn Prozent und Capital Group mit rund sechs Prozent die größten VW-Aktionäre.

Unabhängig vom Poker an der Börse bereiteten sich Betriebsrat und Vorstand auf die entscheidende Verhandlungsrunde um den Produktionsstandort des neuen Geländewagens „Marrakesch“ vor. Bis kommenden Montag, so die Vorgabe des Vorstands, muss geklärt sein, ob das Auto in Wolfsburg gebaut wird oder in Portugal. Nach VW-Angaben ist die Produktion in Portugal rund 1000 Euro je Fahrzeug günstiger als in Wolfsburg. Von den Beschäftigten wird deshalb ein Sparbeitrag von mindestens 850 Euro verlangt. Betriebsratschef Bernd Osterloh teilte am Donnerstag in Wolfsburg mit, die Verhandlungen seien „hart, aber konstruktiv“ und gingen voran. Nach seiner Einschätzung bewegten sich die Parteien aufeinander zu. Osterloh hoffe deshalb, „in absehbarer Zeit zu einem tragfähigen Kompromiss im Sinne der Standort- und Beschäftigungssicherung zu kommen“. Am „späten Montagnachmittag“ sollen die Verhandlungen in Wolfsburg fortgesetzt werden.

Der VW-Betriebsrat ist durch die Verstrickung des früheren Betriebsratschefs Klaus Volkert in eine Sex-and-Crime-Affäre geschwächt. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG, die im Auftrag von Volkswagen die Affäre überprüft, will dem Aufsichtsrat des Autokonzerns auf der Sitzung am Freitag einen ersten Zwischenbericht geben.

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