Wirtschaft : Investoren suchen weitere Gewinner von Eichels Steuerplänen - Stromkonzerne könnten profitieren

ali

Weihnachten ist die Zeit der Besinnung - die Pause konnten Investoren und Analysten in diesem Jahr auch gut gebrauchen. Denn für alle kamen die Steuerpläne der Bundesregierung, Beteiligungsverkäufe von Kapitalgesellschaften ab 2001 steuerfrei zu stellen, vollkommen überraschend. Viele Geldprofis werden unter dem Weihnachtsbaum wohl eifrig Geschäfts- und Beteiligungsberichte studiert haben, auf der Suche nach versteckten Perlen in den Bilanzen. Als erste profitierten von den Steuerplänen des Finanzministers die Bank- und Versicherungstitel, da sie über den umfangreichsten Beteiligungsbesitz verfügen. Doch Händler sind sich sicher: Auch Aktien von Industrieunternehmen können gewinnen, die über nennenswerten Beteiligungsbesitz verfügen, der nicht zum Kerngeschäft zählt.

An der Börse machen dabei zum Beispiel Namen wie RWE, Veba und Viag und Preussag die Runde, die jeweils über umfangreichen Beteiligungsbesitz verfügen. "Zu den großen Gewinnern des Eichelplans zählen auch die reinen Beteiligungsgesellschaften", sagt Peter-Thilo Hasler, Leiter des Technologie-Research bei der HypoVereinsbank. Als Beispiele nennt er BMP und TFG, deren Kurse am Donnerstag um je über 18 Prozent stiegen. Aber Hasler rät Anlegern auch, die Kirche im Dorf zu lassen. "Ich kann mir noch nicht vorstellen, dass diese Pläne Gesetz werden", sagte der Experte zum Handelsblatt. Schließlich entgingen dem Fiskus Milliarden-Beträge an Steuereinnahmen, wenn Kapitalgesellschaften ihre Beteiligungen steuerfrei verkaufen könnten. Auch Metehan Sen, Bankanalyst beim Bankhaus Metzler rät bei aller Euphorie Anlegern dazu, einen kühlen Kopf zu bewahren. Er kann sich vorstellen, dass im Gesetzgebungsprozess noch eine Pauschalsteuer von 15 bis 20 Prozent auf die Veräußerungsgewinne eingeführt wird. "Selbst das wäre aber noch ein großer Schritt nach vorn", meint Sen.

Es stellt sich aber angesichts der revolutionären Steuerpläne von Finanzminister Eichel jetzt die Frage, ob Vorstände nicht ihre Kernaktivitäten enger definieren, da sie aus anderen Beteiligungen problemlos aussteigen können. Zum Beispiel hält der Essener RWE-Konzern noch einen Anteil von 56 Prozent an der Heidelberger Druckmaschinen AG und ebenfalls 56 Prozent am Baukonzern Hochtief. Darüber hinaus ist RWE noch an den Flughäfen in Düsseldorf und Athen beteiligt.

Trefflich lässt sich darüber spekulieren, ob die Steuerpläne zu nicht größeren Verkäufen aus dem Besitz der Veba und Viag führen werden, die noch an ihrer Fusion basteln. Beide wollen ihre Chemieaktivitäten zusammenlegen: Veba bringt dabei 62,4 Prozent an der Degussa-Hüls AG mit, die Viag 51,4 Prozent Anteil an der SKW Trostberg. Von den Steuerplänen würde auch Mannesmann profitieren. Dem Konzern gehören über 400 Gesellschaften im In- und Ausland. Bereits vor dem Übernahmeangebot durch Vodafone-Airtouch hatten die Düsseldorfer vor, den Konzern zu entrümpeln: Die Telekommunikationssparte soll in eine eigene AG ausgegliedert werden ebenso wie der Bereich Engineering und Automotive, der in der MEA AG zusammengefasst wird und Mitte 2000 mit einer Kapitalerhöhung an die Börse gebracht werden soll.

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