Wirtschaft : Investoren zögern bei EADS

Die Bundesregierung will den Einstieg eines Konsortiums organisieren – und stößt auf Vorbehalte

Moritz Döbler

Berlin - Der von der Bundesregierung geplante Einstieg eines privatwirtschaftlichen Konsortiums beim europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern EADS ist gefährdet. Eine Reihe potenzieller Investoren hat Vorbehalte. „In trockenen Tüchern ist das nicht. Es gibt erheblichen Klärungsbedarf“, sagt ein Manager, der an den Verhandlungen beteiligt ist. Auch die französische Regierung soll sich angeblich querstellen. Paris verweigere bisher seine Zustimmung, zitiert das Magazin „Der Spiegel“ einen hochrangigen Regierungsbeamten.

Der Autokonzern Daimler-Chrysler möchte ein Drittel seines Anteils von 22,5 Prozent verkaufen. Die Bundesregierung versucht, einen direkten Einstieg des Staates zu vermeiden, aber das deutsch-französische Gleichgewicht in dem Airbus-Mutterkonzern zu erhalten. Auf französischer Seite sind der Staat und die Lagardère-Gruppe mit ebenfalls 22,5 Prozent beteiligt.

Nach dem Plan der Regierung sollen die Investoren nicht-stimmberechtigte Anteile zeichnen, für die eine Verzinsung garantiert wird, während Daimler die Stimmrechte behält. Zugleich sollen aber mehrjährige, abgestufte Haltefristen gelten. „Wenn man ein Risiko übernimmt, aber nicht raus kann, lässt man sich das in der Regel besonders gut vergüten. Das ist hier nicht der Fall“, sagt der Finanzmanager.

Die Führungsrolle bei dem Konstrukt haben die Deutsche Bank, die Commerzbank und Goldman Sachs übernommen. Insgesamt wurde etwa ein Dutzend Investoren aus der Finanzbranche angesprochen. Über die Kfw-Bankengruppe soll auch der Bund indirekt einsteigen. Ursprünglich hatte die Bundesregierung das Konstrukt in der jetzt zu Ende gehenden Woche unter Dach und Fach bringen wollen. In Regierungskreisen heißt es, dass es nun übernächste Woche so weit sein könne. „Wir haben Fortschritte gemacht, sind aber noch nicht am Ziel.“

Die Sache eilt, denn die Bundesregierung will mit dem Erhalt des deutschen Gewichts Sparmaßnahmen bei Airbus im kommenden Jahr verhindern. Unter dem Titel „Power 8“ werden bei der EADS- Tochter alle Standorte und Projekte auf ihr Einsparpotenzial durchleuchtet. Um mindestens zwei Milliarden Euro soll die Kostenbasis pro Jahr gesenkt werden. Frankreich will auf keinen Fall schnelle Beschlüsse, denn im kommenden Jahr sind dort Präsidentschaftswahlen. Zur Debatte steht auch eine Neuordnung der Endmontage: Bislang wird in Hamburg und Toulouse kreuz und quer durcheinandermontiert. Ein Plan sieht vor, die Fertigung der kleinen A 320-Familie in Hamburg zu konzentrieren und die Großraumflugzeuge A 380 und A 350 in Toulouse zu fertigen. Das könnte sich negativ auf das Hamburger Werk mit 12 000 Beschäftigten auswirken. Auch die Hansestadt ist daher zu einer finanziellen Beteiligung an EADS bereit.

Vor einem Monat hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erklärt, sie sei bereit, „jede wirtschaftlich sinnvolle Lösung mitzutragen, die zur Erhaltung der Zukunftsfähigkeit des Unternehmens sowie der Arbeitsplätze beiträgt“. Sollte das privatwirtschaftliche Konstrukt scheitern, dürfte eine staatliche Übernahme des Daimler-Anteils auf der Tagesordnung stehen – obwohl das eigentlich niemand will.

Eine andere Baustelle im EADS-Konzern ist unterdessen beseitigt. Am Freitagabend stimmte der Verwaltungsrat des Konzerns nach wochenlangem Streit um die Finanzierung dem Bau des neuen A 350 zu. Die Kosten von zehn Milliarden Euro will der Konzern zum großen Teil selbst tragen. Welchen Anteil staatliche Beihilfen ausmachen sollen, teilte EADS nicht mit. Hamburg hofft, durch den Beschluss Arbeitsplätze sichern zu können. „Zudem gehe ich davon aus, dass neue Stellen geschaffen werden können“, sagte Wirtschaftssenator Gunnar Uldall (CDU) dem Hamburger Abendblatt.

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