Investorensuche : Alle drei Interessenten reichen Konzepte für Opel ein

Die Deadline für Opel-Investoren lautete Mittwoch, 18 Uhr. Doch Berlin verlängerte die Frist. Dann trudelten die Konzepte ein. Das Rennen um einen Einstieg bei Opel läuft auf einen Dreikampf zwischen Fiat, dem kanadischen Autozulieferer Magna und der Holding RHJ um den US-Finanzinvestor Ripplewood hinaus.

Opel
Opel zittert vor den Zahlen 2010. -Foto: dpa

Sowohl der italienische Autobauer Fiat und der österreichisch-kanadische Zulieferer Magna als auch die belgische Beteiligungsgesellschaft RHJ haben ihre Sanierungskonzepte für das Rüsselsheimer Traditionsunternehmen Opel eingereicht. Die Bundesregierung kündigte an, die Pläne der Investoren jetzt "schnell und ergebnisoffen" zu prüfen. "Diese und die nächste Woche werden entscheidend sein", hieß es in Berlin. Einen Favoriten habe die Regierung nicht.

Ursprünglich hatten alle drei Kandidaten nur bis zum frühen Abend (18 Uhr) Zeit, um ihre Übernahmeangebote bei einer vom US-Mutterkonzern General Motors (GM) bestellten Bank einzureichen. Diese Abgabefrist hat die Bundesregierung aber verstreichen lassen und den Investoren damit mehr Zeit zugebilligt. Offenbar war dieser Termin aber ohnehin nie als harte Frist zu verstehen.

Nach Angaben des ARD-Hauptstadtstudios bat Fiat um diese Fristverlängerung. Dass die Regierung dem zugestimmt hat, zeigt, unter welch enormem Druck sie steht, um den angeschlagenen Autobauer aus dem drohenden Insolvenzverfahren von GM herauszuhalten. Eine verzwickte Aufgabe, denn es ist nicht allein eine deutsche Entscheidung zwischen Bund und Ländern mit Opel-Standorten. Das Problem muss gelöst werden zwischen Bundesregierung und betroffenen Bundesländern, zwischen US-Regierung und GM, sowie zwischen GM, Opel und GM-Europe. Und dies alles wiederum zwischen Deutschland und den USA.

Die unternehmerische Entscheidung fällt dabei eindeutig in der Konzernspitze in Detroit. Doch auch die GM-Manager können nicht allein entscheiden, sondern sind in hohem Maße abhängig von der Regierung, von US-Präsident Barack Obama. Der Staat hatte dem schon seit geraumer Zeit ums Überleben kämpfenden Autobauer mehrere Milliarden Dollar zugeschossen. Im Gegenzug sitzt die Regierung nun auf Patenten und Firmenbesitz. Gleichzeitig räumt die Konzernspitze ein, dass GM wohl nicht mehr um eine Insolvenz herumkommt. Diese könnte schon Ende des Monats anstehen, wenn GM der Regierung ein unzureichendes Zukunftskonzept präsentieren sollte.

Die komplizierte Ausgangslage versetzt wiederum die Bundesregierung in Alarm. Sie versucht schon länger, die deutschen beziehungsweise die europäischen Teile von GM aus dem Konzern herauszulösen und in einem eigenständigen Unternehmen neu aufzustellen. Doch bisher machten weder US-Regierung noch GM irgendwelche Anstalten, diesen Überlegungen entgegenzukommen. Das setzt Bundesregierung und betroffene Länder unter massiven Zeitdruck. Schon auf Vorrat haben sie sich deshalb auf eine milliardenschwere Brückenfinanzierung verständigt, um für das eigenständige Unternehmen Verhandlungsspielräume zu gewinnen.

Bisher zeigte sich die Bundesregierung nicht zufrieden mit den vorgelegten Konzeptteilen. Zu lange haben die Interessenten taktiert und gezögert. Im Grunde genommen steht immer noch die Befürchtung im Raum, dass es den Investoren in erster Linie um die Staatshilfen aus Deutschland gehen könnte. Obwohl grundsätzlich eine unternehmerische Entscheidung hängt es also wesentlich von der Politik ab, ob sie eines der Konzepte tatsächlich für zukunftsfähig hält.

Dem Investor Ripplewood, der die Übernahme über seine belgische Tochterfirma RJH International abwickeln will, wird dabei kaum Chancen eingeräumt. Reine Finanzinvestoren präferiert die Bundesregierung eher nicht. Schließlich geht es bei den künftigen Beteiligungen auch um Märkte.

So wird Magna nicht müde, darauf hinzuweisen, dass sich dem Zulieferer mit seinem russischen Mitfinanzierer, der Sberbank, große Märkte für Opel in Osteuropa und Russland erschließen. Allein in Russland sollen künftig jährlich eine Million Autos von Opel verkauft werden. Der Fiat-Konzern argumentiert ähnlich: Mit Billigung von GM wolle man sich auf dem südamerikanischen Markt vermehrt ausbreiten. Der italienische Autobauer sieht in dem Zusammenschluss die Chance, den zweitgrößten Autokonzern der Welt hinter Toyota zu schaffen und damit über die großen Stückzahlen die Kosten zu senken. (dpa/rtr)

ZEIT Online

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