Investorensuche : Opel-Betriebsrat droht mit Sanierungsboykott

Die Opelaner sollen auf weite Teile ihres Gehalts verzichten – ohne am Entscheidungsprozess beteiligt zu sein. Das aber wollen die Gewerkschafter nicht akzeptieren.

Der Bieterwettstreit um eine Übernahme des angeschlagenen Autobauers Opel wird sich zwischen dem kanadisch-österreichischen Autozulieferer Magna und dem Finanzinvestor RHJ International entscheiden – und beide Investoren verlangen in ihren Konzepten weitgehende Einschnitte auch von der Belegschaft. Sie soll mit einem Verzicht etwa beim Urlaubs- und Weihnachtsgeld oder auch bei den Löhnen mithelfen, ihr Unternehmen zu sanieren. Trotz dieser Einschnitte in Milliardenhöhe – in der Diskussion ist ein Sanierungsbeitrag der Beschäftigten zwischen 1,25 und 1,5 Milliarden Euro in den nächsten fünf Jahren – sind sie in keiner Weise an der Investorensuche beteiligt.

Dies haben jetzt der Opel-Betriebsrat und die IG Metall moniert und fordern ein Mitspracherecht der Arbeitnehmer bei der Investorensuche. "Ohne eine Beteiligung am Entscheidungsprozess werden wir keine Beiträge in das Unternehmen einbringen – unabhängig davon, für welchen Investor GM sich entscheidet", teilte der Konzernbetriebsrat am Montag nach einer Sondersitzung mit.

Insgesamt sei das Magna-Konzept zwar näher an den Vorstellungen der Arbeitnehmervertretungen, während das von RHJI deutlich davon abweiche. Nachbesserungs- und Verhandlungsbedarf gebe es aber bei beiden Konzepten. Im Übrigen seien die Pläne der künftigen potenziellen Besitzer dem Betriebsrat "noch nicht einmal offiziell" vorgelegt worden.

In ihrer Erklärung machten Betriebsrat und Gewerkschaft deutlich, dass die Investition der Belegschaft an Bedingungen geknüpft ist. Einen entsprechenden Forderungskatalog legten sie gleichzeitig mit ihrer Erklärung vor.

Darin verlangen sie den Zugang der Marke Opel zu allen wichtigen Weltmärkten, was der bisherige Mutterkonzern General Motors (GM) bislang verhindert hatte. Der Einfluss von GM müsse beschnitten, das aus Detroit geforderte Vorkaufs- oder Rückkaufsrecht abgelehnt und die europäischen Tochterunternehmen Opel/Vauxhall eine eigenständige Aktiengesellschaft werden. Die Synergien mit den Amerikanern in der Entwicklung und im Einkauf müssten aber weiter genutzt werden.

Die Arbeitnehmervertreter wollen zudem eine Zukunftsgarantie für die bestehenden Opel- und Vauxhall-Werke. Verlagerungen ins Ausland müssten bis mindestens 2014 – wenn die Businesspläne auslaufen – ausgeschlossen werden. "Es kann nicht sein, dass Bürgschaften und Arbeitnehmerbeiträge benutzt werden, um Verlagerungen zum Beispiel nach Russland oder Südkorea oder China zu finanzieren." Auf Werksschließungen müsse ganz verzichtet werden.

Gleichzeitig müsse der künftige Investor erhebliche Anstrengungen auf der Einnahmenseite unternehmen und den Umsatz ausbauen. "Es wird nicht akzeptiert, dass die erheblichen Potenziale von Opel nicht genutzt, gleichzeitig aber Lohn- und Gehaltskürzungen bei den Beschäftigten gefordert werden", hieß es in der Erklärung.

Quelle: ZEIT ONLINE, dpa, Reuters

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