iPhone-Hersteller legt Zahlen vor : Apples neue Heimat ist China

Apple ist erst spät in den riesigen Markt der Volksrepublik eingestiegen. Inzwischen ist er zur wichtigsten Stütze geworden - noch vor dem US-Geschäft.

von
Politur. Arbeiter legen letzte Hand am Logo des neuen Apple-Stores in Hangzhou an. Allein bis zum chinesischen Neujahr im Februar sollen vier weitere Geschäfte des kalifornischen Technologiekonzerns in China eröffnen. Foto: REUTERS
Politur. Arbeiter legen letzte Hand am Logo des neuen Apple-Stores in Hangzhou an. Allein bis zum chinesischen Neujahr im Februar...Foto: REUTERS

Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten heißt jetzt China. Jedenfalls für Apple. War die Volksrepublik mit ihren 1,3 Milliarden Menschen lange ein riesiger Pool günstiger Arbeitskräfte für den Konzern aus dem kalifornischen Cupertino, wandelt sich nun das Bild. Die Löhne vieler Chinesen sind in den vergangenen Jahren gestiegen. Zwischen Armen und Reichen entwickelt sich eine wachsende Mittelschicht. Mit etwas Mühe hatte Apple-Chef Tim Cook 2013 erkannt, dass an China als Konsumentenmarkt für Smartphones und Tablets kein Weg vorbeiführt. Nach langwierigen Verhandlungen mit China Mobile verschaffte sich Apple 2014 Zugang zu den 700 Millionen Kunden des größten chinesischen Mobilfunkanbieters. Mit Erfolg.

Der Anteil des Chinageschäfts am Gesamtumsatz steigt – und überholt den im Heimatland USA. Nach Berechnungen der Marktforschungsfirma Canalys war das iPhone dort im vergangenen Quartal das bestverkaufte Smartphone. Das ist umso erstaunlicher, da in dem Markt meist günstige Geräte gefragt waren. Der Anteil Chinas am Apple-Geschäft insgesamt stieg auf mehr als 21 Prozent.

Was vielen Chinesen an Kaufkraft fehlt, gleichen sie durch Begeisterung für die Marke mit dem angebissenen Apfel aus. Als sich vor einigen Tagen in Hangzhou die Türen des größten Apple Stores in Asien erstmals öffneten, hatten bereits etliche Kunden die Nacht auf der Straße vor dem Geschäft zugebracht. Vor dem Laden bildeten sich lange Schlangen. Es ist der erste von fünf Stores, die Apple bis zum chinesischen Neujahr am 19. Februar eröffnen will. Im vergangenen Jahr hatte Cook das Ziel ausgegeben, die Zahl der Geschäfte in China binnen zwei Jahren von 15 auf 40 zu erhöhen.

Xiaomi macht Samsung und Apple Dampf

Trotz des Erfolgs des neuen iPhones 6 – allein am ersten Wochenende nach dem Erscheinen im September verkaufte der Konzern weltweit zehn Millionen Stück – hat Apple mit der Konkurrenz im Smartphone-Markt genug zu tun. Zum einen wollen die Kalifornier den Abstand zu Samsung verringern. Die Südkoreaner hatten nach Angaben des Beratungsunternehmens IDC zuletzt einen Anteil von knapp einem Viertel an den Verkäufen. Samsung bietet Smartphones in allen Preisklassen an. Damit punktet das Unternehmen verglichen mit Apple vor allem bei Kunden in Entwicklungs- und Schwellenländern.

Zum anderen mischen chinesische Anbieter den Markt ordentlich auf. Hersteller wie das Start-up Xiaomi konnten ihren weltweiten Marktanteil innerhalb eines Jahres mehr als verdoppeln. Bei Xiaomi betrug er zuletzt gut fünf Prozent, ebenso bei Lenovo, hierzulande vor allem für Laptop-Computer bekannt. Binnen eines Jahres (bis Ende Oktober 2014) hatte Apple mit einem Marktanteil von zwölf Prozent sogar leicht an Boden verloren. Im Weihnachtsquartal hingegen dürften sich die Verhältnisse zu Gunsten von Apple verschoben haben.

Die Marge beim iPhone ist gewaltig

Das neue iPhone kommt bei den Kunden gut an, wie eine Studie des Marktforschungsunternehmens Consumer Intelligence Research Partners (CIRP) nahelegt. Vor allem mit dem iPhone 6 Plus, das über ein großes Display (5,5 statt 4,7 Zoll) verfügt, scheint Apple-Chef Cook einen Coup gelandet zu haben. Im Heimatmarkt USA liegt der Anteil an den Verkäufen der Studie zufolge bei 30 Prozent. Das Gerät kostet rund 100 Euro mehr als ein vergleichbar ausgestattetes Modell mit kleinerem Display. Lange hatte sich Cook gegen den Markttrend der größeren Displays gestemmt und mit der Handlichkeit der kleineren iPhones 5 argumentiert. Apple gehe es nicht darum, möglichst viele Smartphones zu verkaufen, sondern möglichst hohe Margen zu erzielen.

Das immerhin gelingt auch mit großen Displays: Nach einer Studie der Großbank UBS bringt ein verkauftes iPhones 6 durchschnittlich 688 Dollar Gewinn. In einem Segment, in dem sich das Wachstum verlangsamt, wirkt das gewaltig. 2015 dürfte sich der Markt mit 13 Prozent nur noch halb so schnell vergrößern wie im Vorjahr, sagt IDC voraus.

Der Tablet-Markt erlebt nach einem anfangs steilen Wachstum allerdings mittlerweile einen Durchhänger. Apple-Chef Cook betonte, er glaube auf lange Sicht weiterhin an die Produktkategorie. Optimistisch stimme ihn vor allem ein hoher Anteil der Neukunden sowie die hohen Zufriedenheitswerte in Umfragen. Zugleich stellte Cook klar, er rechne noch nicht mit einer Besserung in den nächsten Quartalen.

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben