iPhone : „Normalerweise hassen die Leute ihr Telefon“

Apple gibt T-Mobile den Zuschlag für das iPhone. Für Apple-Chef Steve Jobs ist das iPhone der beste iPod, den der Konzern je hergestellt hat - und dazu kann man damit auch noch telefonieren.

Henrik Mortsiefer
Telekom Apple
Telekom-Chef Rene Obermann (l.) und Steve Jobs (r.) stellen das iPhone in Berlin vor. -Foto: ddp

Berlin - Steve Jobs muss nicht viel tun, um ein Blitzlichtgewitter zu entfachen: Die Hände anheben, als empfange er eine Botschaft von oben, ein Lächeln, ein Blinzeln durch die randlose Brille. „Ich bin froh, in Berlin zu sein“, sagt der Gründer und Chef von Apple. Wie gewohnt in Jeans, Turnschuhen und schwarzem Rolli, verkündet Jobs am Mittwochmittag in der Hauptstadtniederlassung der Telekom, was alle erwartet haben: Deutschlands größter Mobilfunkanbieter T-Mobile wird exklusiver Vertriebspartner für das iPhone, das Multifunktionstelefon von Apple. Vom 9. November an ist es in den Telekom-Shops für 399 Euro (inklusive Zweijahresvertrag) zu haben. Das sind knapp 110 Euro mehr als in den USA.

Details über Tarife werden am Mittwoch nicht verraten. „Diese werden kurz vor dem Start im November bekannt gegeben“, sagt T-Mobile-Chef Hamid Akhavan. Auch zu den Vertragskonditionen zwischen Apple und T-Mobile und einer Absatzprognose für das iPhone will er nichts sagen. Stattdessen werden drei Werbespots für das iPhone mit T-Mobile-Logo gezeigt. Alle sollen sich erst einmal freuen, dass „Überraschungsgast“ Steve Jobs da ist und Apple sich für „das beste Mobilfunkunternehmen Deutschlands“ entschieden hat. Anders als in Großbritannien, wo Jobs am Dienstag den Exklusiv-Vertrieb mit T-Mobile-Konkurrent O2 bekannt gegeben hatte.

Der Gastgeber der Berliner Steve-Jobs- Show, Telekom-Chef René Obermann, teilt die Freude – trotz der mutmaßlich üppigen Umsatzbeteiligung, die er Apple für den iPhone-Exklusivvertrieb einräumen musste. Obermann verfolgt in der ersten Reihe die Präsentation, nicht in Jeans und Turnschuhen, sondern im dunkelblauen Anzug. Kein Wort von ihm. Die Bühne gehört der lebenden Ikone des Computerbaus, dem Erfinder des iPod. Mit dem MP3-Player, den Apple 110 Millionen Mal verkauft hat, holte Jobs Apple aus der Nische des PC-Marktes und machte den Konzern zum Marktführer im elektronischen Musikvertrieb. Drei Milliarden Songs wurden über das Online-Portal iTunes seit der Markteinführung vor fünf Jahren verkauft. Das iPhone soll die Zahlen weiter nach oben treiben.

„Das iPhone ist der beste iPod, den wir je hergestellt haben“, sagt der Apple- Chef. Nur könne dieses Gerät auch telefonieren, es biete das „schnellste Internet für die Tasche“ und Software, reichhaltig wie in keinem anderen Handy. Eine Million iPhones habe man in den USA in 74 Tagen verkauft. Dass auch der Preis um 200 Dollar gesenkt werden musste, weil der Verkauf wohl nicht so stürmisch verlief wie erwartet, lässt Jobs unerwähnt. Er verbreitet charmant Optimismus: Eine Kundenbefragung habe ergeben, dass 95 Prozent glücklich oder sehr glücklich mit dem iPhone seien. „Das ist ungewöhnlich, normalerweise hassen die Leute ihr Telefon.“ Die Presse soll es lieben und darf später an Testgeräten spielen. Die Telekom spielt dazu einen Song von U2: „Beautiful Day“. Henrik Mortsiefer

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