Irak : Streit um die Ölfelder

Der Irak hat riesige Ölreserven, doch für die Förderung werden ausländische Partner gebraucht. Diese kritisieren die Zusammenarbeit.

Martin Gehlen[Kairo]

Ein Sandsturm machte es möglich. Die amerikanischen Kampftruppen gehen, die Ölfirmen kommen – durch Zufall feierte der Irak am Dienstag gleich eine doppelte Premiere. Während draußen die Bevölkerung den Abzug der GIs aus den Städten mit ausgelassenen Partys, Militärparaden und Feuerwerk feierte, saßen in einem Bagdader Hotelsaal die Manager von 31 Ölkonzernen – darunter BP, Chevron, Exxon, Total, Gasprom und Sinopec – und folgten mit 24 Stunden Verspätung der Auktion auf der Bühne: Dort wurden Lizenzen zur Förderung von Öl im Irak vergeben.

Tags zuvor hatten die Ölmanager wegen der Wetterkapriolen nicht in der irakischen Hauptstadt landen können. Einen Umschlag nach dem anderen ließ der Auktionator öffnen, anschließend wurde das Angebot in Dollar und Cent mit einem Beamer an die Rückwand des Saales projiziert. Die Lizenzvergabe für sechs Öl- und zwei Gasfelder solle dem Wiederaufbau des Landes dienen und sei sowohl für den Irak als auch für die Unternehmen von Nutzen, hatte zuvor Ministerpräsident Nuri al Maliki die ausländischen Gäste wissen lassen. Und er versprach ihnen, seine Regierung werde für Sicherheit sorgen, „so dass Sie ihre Arbeit gut machen können“.

Denn auf die Arbeit der ausländischen Firmen ist der Irak dringend angewiesen. Magere 2,4 Millionen Barrel (je 159 Liter Öl) am Tag fördert das Land derzeit noch – das ist weniger als vor dem Sturz von Saddam Hussein. „Unser Ziel ist es, die Produktion in den nächsten fünf Jahren auf mehr als vier Millionen Barrel zu steigern“, erklärte Ölminister Hussein Schahristani im irakischen Fernsehen. In den kommenden 20 Jahren soll dadurch die gigantische Summe von 1,7 Billionen Dollar (1,2 Billionen Euro) in die Staatskasse gespült werden. Mit dem Geld will der Irak Schulen, Straßen, Flughäfen, Wohnungen und Krankenhäuser bauen. Eine zweite Bieterrunde mit weiteren 14 Öl- und zwei Gasfeldern soll 2010 folgen.

Doch bis das Geld im Irak fließt, ist es noch ein langer Weg. Denn bereits nach wenigen Stunden gab es einen so handfesten Krach zwischen den irakischen Lizenzgebern und den ausländischen Bietern, dass das ganze Verfahren vor dem Scheitern steht. Die chinesischen Bieter China National Offshore Oil Corporation (CNOOC) und Sinopec, aber auch der amerikanische Energiekonzern ConocoPhillips stiegen verärgert aus. Kern des Streits sind die Gewinnklauseln, nach denen die ausländischen Investoren künftig nur einen festen Dollarbetrag pro gefördertes Barrel bekommen sollen. Und das auch nur, wenn die Produktion auf dem jeweiligen Ölfeld ein vorher von der irakischen Regierung festgesetztes Mindestniveau überschreitet.

Die Kapazität der sechs ausgeschriebenen Vorkommen liegt bei 43 Milliarden Barrel. Allein in Rumaila im Süden des Landes werden 17,7 Milliarden Barrel vermutet. Die Lizenz für Rumaila ging als Einzige bisher glatt über den Tisch – und zwar an British Petroleum (BP) und die China National Petroleum Corporation (CNPC). „Die Firmen akzeptierten einen Betrag von zwei Dollar pro Barrel“, erklärte Ölminister Schahristani anschließend. Andere Konzerne, die sich für die kleineren, bisher nicht entwickelten Ölfelder Bai Hassan und den aus drei Teilen bestehenden Maysan-Block interessieren, forderten dagegen Anteile zwischen 21,4 und 26,7 Dollar pro Barrel. Als die irakische Regierung ihnen zwischen zwei und vier Dollar bot, stiegen die Unternehmen aus. Bei dem Ölfeld in Kirkuk liegen die Vorstellungen noch knapp sechs Dollar auseinander. Und für das Gasfeld Mansuriya in der langjährigen Unruheprovinz Diyala gibt es bislang überhaupt kein Angebot.

Die Ölindustrie im Irak war 1972 verstaatlicht worden. Der Irak verfügt über die drittgrößten Erdölreserven der Welt, jedoch war nach dem Einmarsch der irakischen Truppen in Kuwait 1990 und dem folgenden Krieg die Ölförderung im Irak fast zusammengebrochen. Wegen UN- Sanktionen konnte das Land später nur eingeschränkt Öl exportieren. Heute fehlt es an Geld, Technik und Infrastruktur.

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