Wirtschaft : Irland inside

Warum Intel Milliarden in Dublin investiert – und nicht in Brandenburg

Bernd Hops

Dublin - Die Fabrik sieht unspektakulär aus und bildet doch eine absolute Ausnahme. Das Werk des weltgrößten Chipproduzenten Intel in Leixlip, einem Vorort von Irlands Hauptstadt Dublin, ist das Einzige seiner Art, das der amerikanische Konzern außerhalb der USA betreibt. Die Entscheidung für die erste Investition wurde 1989 getroffen. Und als 2004 das endgültige Aus für die Chipfabrik in Frankfurt (Oder) kam, an der sich Intel technologisch beteiligen wollte, da wurde in Irland verkündet: Es gibt zwei weitere Milliarden US-Dollar für eine Produktionseinheit, die Leixlip auf den neuesten Stand der Technik bringt. Insgesamt werden es damit bis Ende 2006 sechs Milliarden Dollar sein, die bisher in das Werk gesteckt wurden.

Dabei würde es das irische Werk mit mehr als 5150 Beschäftigten vielleicht gar nicht geben, müsste sich Intel heute für einen Produktionsstandort entscheiden. Irland hatte Glück, zur richtigen Zeit das richtige Angebot machen zu können. „Damals hatte das Land die attraktivsten Bedingungen“, sagt Günther Jünger, der für die Zusammenarbeit von Intel mit der Politik in Deutschland zuständig ist. Irland hatte zwar eine zuverlässige Infrastruktur, war jedoch wirtschaftlich unterentwickelt. Viele gut ausgebildete junge Menschen mussten ihrer Heimat den Rücken kehren. „Aber bei vielen gab es den Wunsch nach Rückkehr“, sagt Jünger. Also konnte Intel auf zahlreiche junge Talente zurückgreifen – für eine so schnelllebige Branche wie die Chiphersteller ein wichtiges Argument. Und Irland ist immer noch eine im Vergleich zu manch anderen europäischen Ländern junge Nation. Derzeit liegt das Durchschnittsalter der Mitarbeiter in Leixlip bei 31 Jahren, erzählt Trevor Holmes, Sprecher von Intel Irland. Vor wenigen Jahren waren es sogar nur 27 Jahre.

Wie schnell sich Irland entwickelt hat, zeigt sich an den Produkten, die Intel dort herstellt. 1989 wurden hier PCs zusammengeschraubt, später auch Motherboards für Computer. Erst 1994 kam die erste Chipproduktion dazu.

Die arbeitsintensiven Bereiche wie die PC-Produktion wanderten ab – und sind heute in China. Auch das aufwändige Zusammenbauen der einzelnen Prozessoren übernehmen Werke in Asien oder Lateinamerika. Die Chipproduktion selber aber wird weiter ausgebaut. „Ein neuer Standort für eine Chipfabrik ist extrem teuer“, erklärt Jünger. Der Ausbau eines bestehenden Werks sei billiger, als woanders hinzugehen.

In den Reinräumen des Werks sieht man nur wenige Menschen in ihren Schutzanzügen. Die Produktion der Chips erfolgt automatisch. Metallschlitten, die jeweils so viel kosten wie ein Mercedes, bringen die Siliziumscheiben, so genannte Wafer, von einem Produktionsschritt zum nächsten. Die Mitarbeiter müssen das Ganze nur noch beobachten – und gelegentlich eingreifen, wenn es hakt oder die Wartung der Maschinen ansteht. Intel investiert weiter kräftig, um die Effizienz noch zu steigern. In dem neuesten Fabrikteil werden statt der bisher 200-Millimeter-Wafer 300-Millimeter-Scheiben verarbeitet. Laut Intel senkt das die Arbeitskosten um 50 Prozent und den Energieverbrauch um 40 Prozent. Gleichzeitig werden die Prozessoren leistungsfähiger. Daneben verdoppelt sich auch die Zahl der Transistoren je Prozessorflächeneinheit im Schnitt alle zwei Jahre. Dadurch wird der Chip noch schneller und leistungsfähiger.

Aber auch wenn Intel seine europäische Chipproduktion in Irland konzentriert – im Gegensatz zum Konkurrenten AMD, der auf Dresden setzt –, bedeutet das nicht, dass der Konzern nichts von dem Standort Deutschland hält. Jünger betont, dass die Chipfabrik in Frankfurt (Oder) auch kein Intel-Werk gewesen wäre, sondern auftragsweise für andere produziert hätte. Das US-Unternehmen wäre lediglich ein Technikpartner gewesen und bei weitem nicht der größte Investor. Man investiere aber weiter in Deutschland – etwa in Forschungseinrichtungen für Chipdesign.

Ein besonders wichtiger Standort sei dabei Braunschweig – auf seinem Gebiet der größte von Intel in Europa. In München wiederum ist das europäische Marketing konzentriert „Wir investieren in Deutschland und schaffen neue Jobs“, kündigt Jünger an. Allerdings müsse die neue Regierung vor allem zwei Themen angehen. Zum einen sei das die Flexibilisierung des Arbeitsmarkts. „Und sie muss mehr für die Bildung tun“, fordert Jünger. Bildung sei der wichtigste Rohstoff des Standorts Deutschland – und trotzdem seien Naturwissenschaftler knapp. Es gebe aber keinen Grund dafür, Deutschland als Investitionsstandort von vornherein abzuschreiben, sagt Jünger. „Der Zug ist nie komplett abgefahren. Entscheidungen werden immer wieder neu getroffen.“

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