Wirtschaft : Irrationale Banker

Henrik Mortsiefer

Es muss schon ziemlich drunter und drüber gehen in einer Bank, wenn die Situation als "noch nicht überschaubar" charakterisiert wird. Den Fall Schmidt-Bank/Consors hat Paul Wieandt, der mit der Sanierung beauftragte Geschäftsführer, am Montag so beschrieben. Er hat seine Aufräumarbeiten damit begonnen, das von Vater und Sohn Schmidt hinterlassene Chaos zu ordnen und eine Legende aus der Welt zu schaffen: Nicht das Schicksal hat die bayerische Bank in die Schieflage gebracht, sondern handfeste Fehler im Management. Eine Vorstellung davon, wie in der Familie Schmidt Geschäftliches gehandhabt wurde, gibt der bislang erfolglose Versuch, den Online-Broker Consors zu verkaufen. Gleich drei Investmentbanken dienten Karl-Gerhard und Karl-Matthäus Schmidt, um die überhöhten Preisvorstellungen des Banker-Duos zu Markte zu tragen. Das Ergebnis: Sämtliche Interessenten sprangen ab. Paul Wieandt nannte die Verhandlungsführung "irrational". Kein Qualitätssiegel, das man Bankern gemeinhin anheften mag. Nun soll das Bankhaus Metzler ein neues Angebot einholen.

Trotz der Turbulenzen stehen die Chancen nicht schlecht, dass sich - zu moderateren Konditionen - noch ein Käufer für Consors findet. Mit 590 Millionen Euro ist der Börsenwert zusammengeschmolzen, die Kundenbasis ist selbst im November überraschend stabil geblieben, der Anteil am Online-Banking-Markt ansehnlich. Das Schmidt-Bank-Debakel scheint sich nur in Maßen auf das Geschäft ausgewirkt zu haben. Für ausländische Banken, die wie BNP Paribas oder Fimatex im deutschen Markt Fuß fassen wollen, könnte Consors also ein lohnendes Investment sein. Ob ein Verkauf freilich mit dem alten Vorstand über die Bühne gehen kann, scheint zweifelhaft. Wieandt musste Karl-Matthäus Schmidt am Montag zur Loyalität aufrufen: Sein Selbstverständnis als angestellter Manager müsse wohl erst noch wachsen. Der Vorzeige-Unternehmer von einst droht zu einer Belastung für die Consors-Verkäufer zu werden.

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