Wirtschaft : Israel

PolitischesUmfeld
Bei den Wahlen im Mai wurde der Likud-Politiker Benjamin Netanjahu direktzum Ministerpräsidenten gekürt.Auf Basis einer knappen Mehrheitin der Knesset führt Netanjahu nunmehr eine Koalition mit religiösenSplitterparteien.Außenpolitisch schlug sich dies in ernsthaften Stockungendes Friedensprozesses nieder, die neue und alte Verbündete verstimmtenund eine erneute Terrorwelle auslösten.Zu einer vollständigenSuspendierung der unter Rabin eingeleiteten Aussöhnungspolitik fehltden konservativen Strömungen jedoch der politische Wille und die Kraft.Somit zeichnet sich ein Szenario der verzögerten Umsetzung und Weiterentwicklungdes Gaza-Jericho-Abkommens ab.Vor dem Hintergrund der im Innern äußerstumstrittenen Friedenspolitik dürfte es der Koalition schwer fallen,die erforderlichen unpopulären Maßnahmen zur Sanierung des Staatshaushaltsdurchzusetzen.Der jüngst von der Knesset verabschiedete Haushalt für1997 sieht zwar eine Absenkung der Neuverschuldung auf 2,8 % des BIP vor;doch wird die tatsächliche Kreditaufnahme wohl darüber liegenund damit die Zentralbank zu einer Fortsetzung ihrer Hochzinspolitik anhalten. Binnenwirtschaft
Israel vollzog in der ersten Hälfte des Dezenniums eine raschewirtschaftliche Expansion, das Bruttoinlandsprodukt expandierte mit einerdurchschnittlichen Rate von 6 %.Zu erheblichen Teilen ging diese Entwicklungauf die Hoffnungen auf einen langanhaltenden Frieden sowie auf die Zuwanderungaus Nachfolgestaaten der Sowjetunion zurück, die das Bevölkerungswachstumim gleichen Zeitraum auf 3,1 % steigen ließ.Im vergangenen Jahr hatnicht zuletzt das allmähliche Abebben dieser Einwanderungswelle zueiner Verlangsamung des wirtschaftlichen Wachstumstempos geführt.Zudemhat das hohe Zinsniveau die Investitionstätigkeit im Verlauf des erstenHalbjahres 1996 saisonbereinigt sogar etwas sinken lassen und auch der Exportentwickelte sich angesichts des nur schwach abwertenden Schekel nur unbefriedigend.Insgesamt dürfte der BIP-Anstieg nach 7,1 % im Vorjahr auf knapp 4% zurückgefallen sein.Aufgrund des weiterhin eng begrenzten Spielraumsfür eine Lockerung der Zins- und Wechselkurspolitik muß man auchfür 1997 von einem noch niedrigen Wachstum ausgehen. Außenhandel
Die außenwirtschaftliche Entwicklung war in der ersten Hälfteder neunziger Jahre durch eine sukzessive reale Aufwertung des Schekel gekennzeichnet.Im Rah-men der monetären Stabilisierung versucht die israelische Regierungseit 1992, die inländische Preisdy-namik mittels einer das Inflationsgefällegegenüber den Handelspartnern nicht vollständig aus-gleichendenAnbindung des Schekel an einen überwiegend aus dem Dollar bestehendenWäh-rungsanker zu bremsen.Angesichts des restriktiven zinspolitischenKurses, den die Zentralbank im zurückliegenden Jahr einschlagen mußte,um von den staatlichen Defiziten ausgehende Preisgefahren zu kompensieren,gewannen Anlagen in Schekel an Attraktivität, wodurch der Kurs derisraelischen Währung noch gefestigt wurde.Zeitweise mußte dieZentralbank zugunsten der Fremdwährungen in das Marktgeschehen eingreifen.Die Entwicklung des Wechselkurses schwächt die Wettbewerbsfähigkeitörtlicher Produzenten und trug somit zum in den letzten Jahren zu beobachtendendeutlichen Anstieg des Handelsbilanzdefizits bei.Allerdings muß berücksichtigtwerden, daß vor dem Hintergrund der zahlreichen Haushaltsneugründungendurch Einwanderer die gesamtwirtschaftliche Sparquote sank und sich dieImportnachfrage nach ausländischen Konsumgütern stark erhöhte.Nach Angaben des IWF weitete sich der Importüberschuß in 1995auf 7,7 Mrd.US-$ aus, nachdem er im Vorjahr bereits 6 Mrd.US-$ betragenhatte.Überträgt man die im ersten Halbjahr 1996 verzeichnetenZuwachsraten bei Ein- und Ausfuhren auf das Gesamtjahr, ergibt sich einAnstieg des Handelsbilanzdefizits auf knapp 9 Mrd.US-$.In Anbetracht desbereits hohen Niveaus der Defizite scheint eine Korrektur beim Wechselkursin den nächsten Monaten vorstellbar.Auch das allmähliche Auslaufender Einwanderungswelle sollte sich dämpfend auf die Importentwicklungauswirken, so daß ein leichter Rückgang des Handelsbilanzdefizitsbereits in diesem Jahr nicht überraschen würde. Zahlungsbilanz
Die negative Entwicklung in der Handelsbilanz wurde mit Bezug auf die Gesamtheitder laufenden Transaktionen noch durch einen Rückgang der Tourismuseinnahmenum etwa 200 Mio.US-$ in 1996 verschärft, der in Reaktion auf die wiedergestiegene politische Unsicherheit seit dem zweiten Quartal zu verzeichnenist.Die jährlichen Gesamteinnahmen aus dem Tourismus dürftensich auf etwa 2,7 Mrd.US-$ belaufen haben.Trotz umfangreicher Transferzahlungenaus den USA mußte Israel (in der Abgrenzung des IWF) in 1995 ein Leistungsbilanzdefizitin Höhe von 5,5 Mrd.US-$ hinnehmen.Nach bisher vorliegenden Angabenfür das vergangene Jahr zeichnet sich eine nochmalige Erhöhungum gut eine Mrd.US-$ und damit auf über 7 % des BIP ab.Sofern ausländischeGäste nicht durch erneute Terrorakte verschreckt werden, dürftendie schleppendere wirtschaftliche Expansion und die fiskalischen Konsolidierungsmaßnahmenim laufenden Jahr eine leichte Defizitreduzierung ermöglichen.DieFinanzierung der Fehlbeträge in der Leistungsbilanz bereitet Israelbislang keine Probleme.Der rasche Anstieg der Währungsreserven um3,4 Mrd.US-$ binnen Jahresfrist auf rund 11,5 Mrd.US-$ zum Jahresende1996 (dies entspricht 3,2 Monatsimporten) dokumentiert die rege Kapitalzufuhr.Der Zinsspread gegenüber dem Ausland schafft insbesondere fürden kurzfristigen Kapitalimport Anreize.Israelische Quellen beziffern denZustrom kurzfristiger Gelder auf 1,6 Mrd.US-$ in 1995 und 1,7 Mrd.US-$allein im ersten Halbjahr des vergangenen Jahres.So weiteten Ausländerihre Einlagen bei israelischen Banken aus, die ihr Aktivgeschäft ohnehindurch den Abbau von Auslandsvermögen refinanzierten.Erfreulich istjedoch, daß mittlerweile auch der ausländische Erwerb von Unternehmensbesitzstärkeren Anteil an der Defizitfinanzierung hat.Die Direktinvestitionenbetragen seit 1995 rund 2 Mrd.US-$ p.a..Daneben kann man sich auf Devisenzuflüsseim Rahmen der 1998 auslaufenden Kreditvereinbarung mit den USA stützen,von denen 2,7 Mrd.US-$ noch nicht genutzt sind. Kennzahlen zur Länderbeurteilung : ISRAEL Einwohnerzahl: 5,6 Mio. 1994 1995 1996* 1997** 1. Handelsbilanzsaldo (Mio.US-$) -5963 -7748 -8960 -8600 2. Warenexport in % des Warenimports 72,6 73,8 69,0 71,7 3. Exportwachstum auf Dollarbasis (%) 12,7 13,2 4,9 9,0 4. Ausfuhr von Maschinen und Transportmitteln in % des Gesamtexports 34,4 30,3 27,8 .. 5. Einfuhr von Maschinen und Transportmitteln in % des Gesamtimports 20,0 17,0 .. .. 6. Leistungsbilanzsaldo (Mio.US-$) -3589 -5491 -6700 -5700 7. Leistungsbilanzsaldo in % des Bruttoinlandsprodukts (nominal) -4,9 -6,3 -7,2 -5,7 8. Auslandsverschuldung (Mio.US-$) 41151 44274 47493 51425 a) in % eines Jahresexports 1) 167,1 154,5 157,8 170,8 b) in % des Bruttoinlandsprodukts 56,0 51,1 51,4 51,0 9. Schuldendienstkoeffizient (%) 1) 18,7 17,4 15,4 15,3 davon Zinsendienstkoeffizient (%) 1) 9,7 9,6 8,0 8,4 10. Verschuldung gegenüber ausländischen Banken (Mio.US-$) 3745 4607 4581 .. davon mit Restlaufzeit bis zu einem Jahr (%) 47,5 48,3 .. .. davon mit Restlaufzeit bis zu zwei Jahren (%) 55,6 60,8 .. .. 11. Guthaben bei ausländischen Banken (Mio.US-$) 14938 14379 14834 .. 12. Währungsreserven (Mio.US-$), ohne Gold 6792 8119 11500 12500 13. Währungsreserven in Monatsimporten (Monate) 1) 2,4 2,5 3,2 3,5 14. Reales Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (%) 6,5 7,1 3,8 4,0 15. Bruttoinlandsprodukt pro Kopf (US-$, nominal) 13620 15484 15940 .. 16. Inflationsrate (%) 12,3 10,1 11,0 10,0 17. Saldo des Staatshaushalts in % des Bruttoinlandsprodukts -2,3 -3,4 -4,7 -3,3 18. Investitionen in % des Bruttoinlandsprodukts 25,0 25,3 24,5 24,4 1) Waren, Dienstleistungen. * geschätzt; ** Prognose ..Zahlen nicht verfügbar Verschuldung
Die Bruttoauslandsverschuldung dürfte zum Jahresende 47,5 Mrd.US-$betragen haben.Die Verschuldungskennziffern weisen die Belastung durchden Schuldendienst als tragbar aus.Der Anteil der kurzfristigen Verbindlichkeitenhat sich in den zurückliegenden Jahren kaum erhöht; er ist mitetwas über 40 % aber recht hoch.Allerdings weist die ÖffentlicheHand keine kurzfristigen Verbindlichkeiten gegenüber dem Ausland auf.

Mehr lesen? Jetzt gratis E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben