Wirtschaft : Issing erwartet keine Änderung der Zinsen

KREUTH/BERLIN (bib/rtr).Der Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB) hat Spekulationen nach einer Zinssenkung in der Eurozone zurückgewiesen: "Die EZB wird keine Anti-Inflationspolitik machen, wenn es keine Inflation gibt", sagte Issing am Freitag vor Journalisten in Wildbad Kreuth.Er sehe allerdings auch keine Deflationsgefahr.Dafür sehe er keine seriöse Prognose.Sollten aber Deflationsgefahren auftauchen, "werden wir darauf reagieren".

Issing sagte zum Außenwert des Euro, er erwarte ein stabiles Verhältnis.Nachdem man die erste Euro-Woche beobachtet habe, gebe es aber keinen Grund, jetzt Wechsel-kursprognosen abzugeben.Die Europäische Zentralbank verfolge kein Wechselkursziel.Issing bekräftigte frühere Forderungen, wonach alle Bereiche neben der Geldpolitik innerhalb des Euro-Raums zur Stabilität beitragen müßten.So sei am Arbeitsmarkt unter anderen mehr Flexibilität und Deregulierung nötig.Zu den neuesten Arbeitsmarktzahlen sagte Issing, es handele sich dabei um Monatszahlen.Er sehe darin keinen Anlaß für Überlegungen grundsätzlicher Art.

Der Euro hat die erste Handelswoche trotz einiger technischer Probleme erfolgreich abgeschlossen.Das ist die Einschätzung der meisten Händler und Analysten an den Finanzmärkten.Nach der Einführung der neuen Gemeinschaftswährung für 290 Millionen Menschen in der Euro-Zone verbuchten die Aktien-, und Renten deutliche Kursgewinne, und der Euro notierte bis Freitag mittag gegenüber dem US Dollar stabil über 1,16 Dollar.

"Der Euro-Start ist zweifellos erfolgreicher verlaufen, als zu erwarten war.Das ist psychlogisch gut, doch basiert es nicht auf ökonomischen Entwicklungen," sagte Commerzbank-Volkswirt Jürgen Pfister.Der Euro habe jedoch auch von einem positiven Marktumfeld - insbesondere den neuen Höchstkursen an der Wall Street - profitiert, erklärte Pfister weiter."Sicherlich fließt Kapital aus Ländern außerhalb der Eurozone nach Euroland.Doch das exakte Volumen werden wir erst in drei Monaten kennen," sagte Pfister.

Dem stimmte Stefan Bergheim von Merrill Lynch zu: "Es ist schwer zu sagen, wieviel Kapital durch den Euro aus dem Ausland angelockt wurde.Am Montag hatte der Deutsche Aktienindex rund 5,7 Prozent zugelegt und schloß bei 5290 Punkten.Gegen 15.45 Uhr am Freitag notierte der Dax im Computerhandel bei 5436 Punkten.

Die Kursentwicklung des Euro gegenüber dem Dollar demonstrierte die Stärke der neuen Währung: Innerhalb des nächsten Monats werde der Euro bei 1,18 Dollar notieren und in Jahresfrist auf 1,22 Dollar steigen.Diese Durchschnittswerte ergab eine Reuters-Umfrage bei 62 Volkswirten.Vereinzelt wurden für die kommenden Monate sogar Euro-Kurse bis 1,30 Dollar erwartet."Der Kurs von etwas mehr als 1,16 Dollar entspricht ziemlich genau dem Anfangskurs des Dollar.Das ist beachtlich", sagte Bergheim.Auch Jürgen Pfister sagte, der Euro sei gegenüber dem Dollar deutlich fester gestartet als erwartet.An die Einführung des Euro knüpfen viele Politiker generell die Erwartung abnehmender Wechselkursschwankungen zwischen den großen Währungsblöcken.

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