Wirtschaft : Ist Schrempp ein Auslaufmodell?

Der Aufsichtsrat berät am Donnerstag über die Zukunft des Daimler-Chefs / Hyundai will Auto-Allianz kündigen

Ursula Weidenfeld,Heike Jahberg

Neuer Ärger für Jürgen Schrempp. Nachdem der Daimler-Chrysler-Chef am Freitag eingestehen musste, dass sein Engagement beim japanischen Autobauer Mitsubishi fehlgeschlagen ist, scheint nun auch die Allianz mit dem südkoreanischen Autohersteller Hyundai vor dem Aus zu stehen. Die Südkoreaner seien so verärgert über die Daimler-Pläne, ihnen in China Konkurrenz zu machen, dass sie dem Partner die Kündigung für alle bisherigen Abkommen schicken wollen, meldete die „Automobilwoche“.

Damit geriete Schrempp noch stärker unter Druck. Nach einem Bericht der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ will der Aufsichtsrat von Daimler-Chrysler bei seiner nächsten Aufsichtsratssitzung am Donnerstag in New York über die Zukunft des Topmanagers beraten. „Schrempp ist stark angeschlagen“, sagte Ulrich Hocker, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), dem Tagesspiegel am Sonntag. Der Rückzug von Mitsubishi sei das Ende von Schrempps Vision, einen Weltkonzern zu schmieden. Die heftige Kritik, der sich der Daimler-Chef jetzt ausgesetzt sieht, schade dem Unternehmen, gibt der Anlegerschützer zu bedenken. „Schrempp steht unter gewaltigem Druck und arbeitet jetzt nur noch daran, seine eigene Reputation zu retten“, fürchtet Hocker. Ob der Manager es schafft, bis zum Auslaufen seines Vertrags im Jahre 2008 im Amt zu bleiben, sei fraglich, meint Hocker: „Es wird sehr schwierig für ihn.“

Dies umso mehr, als jetzt auch das zweite Asienprojekt des Konzernlenkers zu scheitern droht. Angeblich will Hyundai in der kommenden Woche sämtliche Kooperationsverträge mit Daimler-Chrysler kündigen. Betroffen wären nicht nur das geplante Gemeinschaftsunternehmen „Daimler Hyundai Truck Company“ zum Bau von Nutzfahrzeugen, sondern auch die verabredete Lieferung von 50 000 Lkw-Motoren an Hyundai.

Asienstrategie steht in Frage

Würde auch dieses Engagement zerbrechen, wäre die gesamte Asienstrategie in Frage gestellt. Dann nämlich hätte Schrempp innerhalb weniger Tage zwei Partner verloren, die er noch vor kurzem als unabdingbar „für einen vollständigen Marktzugang in Asien“ bezeichnet hatte. Für Schrempp wäre das eine weitere Niederlage. Aktionärsschützer Hocker glaubt nicht, dass Schrempps Lebensleistung, die „Welt-AG“, Bestand haben wird: „Am Ende wird jemand kommen, der den Konzern wieder in seine alten Unternehmen zerlegen wird.“ Der Daimler-Chrysler-Aktie, die unter den Verlusten von Mitsubishi und Chrysler schwer gelitten hat, werde das nur gut tun.

In einer dramatischen Sitzung hatten Vorstand und Aufsichtsrat von Daimler-Chrysler am späten Donnerstagabend beschlossen, kein weiteres Geld für den in seiner Existenz bedrohten japanischen Autohersteller Mitsubishi zur Verfügung zu stellen. Daimler-Chrysler hat eine Beteiligung von 37 Prozent an Mitsubishi. Auch werde das Unternehmen entgegen seinen Planungen keine Manager mehr nach Japan schicken: Bisher hatte es geheißen, der erfolgreiche Smart- Chef Andreas Renschler würde als Vorstandschef und Daimler-Chrysler-Vorstand Eckhard Cordes würde als Chefaufseher nach Tokio gehen. Nach dem Rückzug Daimlers ist jetzt der Manager von Mitsubishi Heavy Industries, Yoichiro Okazaki, als künftiger Chef der Mitsubishi Motors Corporation im Gespräch. Dieser sei als der aussichtsreichste Kandidat für die Nachfolge des von Daimler- Chrysler entsandten Rolf Eckrodt im Gespräch, berichtete die Zeitung „Mainichi“ am Sonnabend. Mitsubishi Heavy ist nach Daimler-Chrysler der zweitgrößte Aktionär der Mitsubishi-Autogruppe. Die Mitsubishi Motors Corporation braucht zur Sanierung eine Kapitalspritze von fünf Milliarden Euro.

Platzt nun auch das Hyundai-Engagement, wären vor allem die ehrgeizigen Pläne der Stuttgarter in der Nutzfahrzeugsparte betroffen: Daimler-Chrysler ist zwar mit allen seinen Marken weltweit Marktführer bei Lastwagen und Bussen. Nur in Asien, wo inzwischen jeder zweite Lkw der Welt verkauft wird, ist das Unternehmen chronisch schwach. Diesem Zustand sollte einerseits die Zusammenarbeit mit Hyundai abhelfen, andererseits die Verschwisterung mit der schwer angeschlagenen japanischen Mitsubishi Fuso, die Daimler-Chrysler erst Anfang des Jahres mehrheitlich übernommen hat.

Die Koreaner sind sauer

Daimler-Chrysler hält eine Zehn-Prozent- Beteiligung an Hyundai und hat eine Option, diese Beteiligung auf 15 Prozent aufzustocken. Seit dem vergangenen Herbst aber gibt es Ärger: Die Koreaner fürchten, dass Daimler-Chrysler ihnen in China in die Quere kommt. Im vergangenen Winter hatte Daimler-Chrysler als letztes der großen Automobilunternehmen ein direktes Engagement im chinesischen Autobau unterschrieben. Gemeinsam mit der chinesischen Beijing Automotive Industry Holding will der Konzern vom kommenden Jahr an Autos und Nutzfahrzeuge in China bauen. Hyundai pocht aber darauf, die alleinigen Kooperationsrechte mit dem chinesischen Unternehmen zu haben. Schrempp, der sich seit dem Rückzug von Mitsubishi nicht öffentlich geäußert hat, hält sich nach Informationen der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ derzeit in China auf.

Daimler-Chrysler-Finanzvorstand Manfred Gentz hatte am Freitag noch gesagt, dass man an der Zusammenarbeit mit Hyundai in jedem Fall festhalten wolle. Mit Hyundai und Mitsubishi werde man gemeinsam weiter an dem Projekt „Weltmotor“ arbeiten, auch die Entwicklung gemeinsamer Standards für die Lkw-Produktion stehe für Daimler-Chrysler nicht zur Disposition. Allerdings steht die Allianz mit Hyundai bereits als Programmpunkt der nächsten Daimler- Aufsichtsratssitzung in der kommenden Woche fest. Schon machen in Seoul Gerüchte die Runde, dass die Koreaner nur noch einen Anlass gesucht hätten, die Zusammenarbeit mit den Stuttgartern ad acta zu legen: weil es in Asien inzwischen ein bisschen peinlich geworden sei, als Juniorpartner der Welt-AG zu gelten. Da sei es für Hyundai attraktiver, den asiatischen Markt selbst zu erschließen.

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