Wirtschaft : IT-Industrie: Hewlett-Packard übernimmt Compaq

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Die beiden US-Computerkonzerne Hewlett-Packard (HP) und Compaq wollen fusionieren, um sich gegen den harten Preiskampf in der Branche und die abnehmenden Computer-Absätze zu behaupten. Gelingt der Zusammenschluss, verkaufen die beiden Unternehmen künftig mehr Personal Computer (PC) als der derzeitige Weltmarktführer und Direktversender Dell. Die Fusion soll helfen, jährlich 2,5 Milliarden Dollar Kosten zu sparen.

Der mörderische Wettbewerb in der Computerbranche wird immer schärfer: Hewlett-Packard und Konkurrent Compaq Computer gaben in der Nacht zum Dienstag bekannt, dass sie ihre Aktivitäten im Zuge eines Aktientauschs im Wert von 25 Milliarden Dollar (rund 54 Milliarden Mark) zusammenlegen wollten. HP aus dem kalifornischen Palo Alto wird 64 Prozent an der fusionierten Gesellschaft halten und Compaq aus Houston in Texas den Rest. Compaq ist im PC-Verkauf die Nummer zwei hinter Dell Computer, und HP steht mit großem Abstand an dritter Stelle.

Chefin des neuen Unternehmens wird HPs bisherige Vorstandsvorsitzende Carly Fiorina, 46. Compaqs 46 Jahre alter Vorstandschef Michael Capellas wird Präsident. HP wird 0,6325 HP-Aktie für jeden Compaq-Titel tauschen. Dies entspricht einem Kursaufschlag von 19 Prozent. An der New Yorker Börse gaben Hewlett-Packard um mehr als 10 Prozent auf 20,81 US-Dollar nach, während Compaq um knapp ein Prozent auf 12,46 US-Dollar leicht zulegten. Seit dem Hoch im Sommer vergangenen Jahres stürzten HP-Aktien um 66 Prozent ab, Compaq-Papiere verloren sogar 76 Prozent.

PC-Hersteller drängen auf Grund der geringen Margen im Kerngeschäft verstärkt in den von IBM und Sun Microsystems beherrschten Dienstleistungssektor, wo sie bisher erfolglos waren. Mit dem Zusammengehen von HP und Compaq würde ein neuer Service-Gigant vor dem bisherigen Branchenführer IBM entstehen. Im Rahmen dieser Strategie hatte HP kürzlich Comdisco gekauft und Compaq 1998 Digital Equipment. Die beiden Unternehmen versprechen sich von ihrer Fusion Einsparungen in den kommenden Jahren bis zu jährlich 2,5 Milliarden Dollar. Auf dem Papier würde der weltweit größte PC-und Server-Lieferant mit 19 Prozent PC-Anteil und 37 Prozent Server-Anteil entstehen. Dells PC-Marktanteil liegt derzeit bei 13 Prozent, und im Server-Geschäft hält Dell einen Anteil von 16 Prozent. "Es ist ein logischer Schritt bei der Konsolidierung der PC-Industrie", sagte Bear-Stearns-Analyst Andrew Neff der Nachrichtenagentur Reuters zu dem Fusionsvorhaben.

Beide Partner rechnen eigenen Angaben zufolge künftig mit mehr als 145 000 Beschäftigten. Dies wären fast 15 000 weniger als die zusammengerechnete Mitarbeiterzahl. Beide Firmen haben in den vergangenen Monaten Sanierungsprogramme angekündigt. Demnach plant Compaq bislang 8500 Stellen abzubauen, bei Hewlett-Packard fallen 6000 Arbeitsplätze weg. Die Deutschland-Filiale von Compaq wollte am Dienstag über die Folgen für Mitarbeiter nichts sagen. Compaq beschäftigt hier zu Lande rund 2000 Mitarbeiter. Im Rahmen des weltweiten Sparkurses sollen in Deutschland nach bisherigen Planungen 300 Stellen entfallen. HP wollte in den kommenden Wochen bekannt begeben, inwieweit auch die deutsche Tochter von den angekündigten 6000 Entlassungen weltweit betroffen sei.

Nach dem Boom in den späten neunziger Jahren steckt die PC-Branche derzeit in einer tiefen Krise. Für das zurückliegende Quartal wies HP im PC-Geschäft 150 Millionen Dollar Verlust aus, und Compaq meldete ein Defizit von 155 Millionen Dollar. Compaq und HP sahen sich deswegen zu Kosteneinsparungen gezwungen. Zusammen erwirtschafteten sie mit ihren PC- und Serveraktivitäten im vergangenen Jahr 32 Milliarden Dollar Umsatz. Branchenkenner rechnen aber damit, dass in den USA die PC-Auslieferungen in diesem Jahr um zehn Prozent geringer ausfallen werden als im Jahr 2000. Weltweit wird erstmals seit 15 Jahren mit einem Rückgang gerechnet.

Das US-Kartellamt wird den geplanten Zusammenschluss genau prüfen, da HP und Compaq nach dem Ausscheiden von IBM, Packard Bell Electronics und Acer America zwei Drittel des PC-Einzelhandelsmarktes beherrschen würden. Zudem ist Compaq einer der größten Kunden des Druckerherstellers Lexmark International, der mit HP konkurriert.

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