Wirtschaft : IT-Markt: Analysten setzen wieder auf die Branche

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Die Meldung war klein, sorgte aber für große Freude in der gesamten IT-Branche: Der deutsche Mittelstand will in diesem Jahr verstärkt in seine IT-Systeme investieren. Aufträge in Milliardenhöhe können die Anbieter von Informationstechnologie so von den mittelständischen Unternehmen erwarten. Ganz zu schweigen von Großaufträgen aus der Industrie. Kein Wunder also, dass Analysten wieder auf die im letzten Jahr deutlich eingebrochene Branche aufmerksam werden. Viele sehen für den europäischen IT-Markt sogar bessere Chancen als für den US-Markt.

Doch nicht alle Unternehmen, so die Aussage von Analysten, werden davon profitieren. Es gebe jedoch einige Werte, die herausragen. Die wesentliche Frage sei, so Friederike Herkommer von der Hypo-Vereinsbank, ob ein IT-Dienstleister seine klassische Produktpalette ausgebaut hat. Dazu sollten eCRM- (Kundenmanagement-Lösungen) oder E-Commerce-Lösungen gehören. Weiter gilt: Wer sich hauptsächlich im Bereich der Standard-Systeme ERP tummelt, für den sind auch in Zukunft die Margen klein. Soweit zum Umfeld.

Konkrete Beispiele für Unternehmen, die aufs richtige Pferd gesetzt haben, sind für die Analysten der Hypo-Vereinsbank SAP SI und Itelligence. SAP SI sei ein überdurchschnittlich dynamisches Software-Beratungsunternehmen. Zwar sei die Ergebnis-Marge im ersten Quartal auf 15 Prozent zurückgegangen, im traditionell stärkeren zweiten Halbjahr sei jedoch wegen des hohen Auftragsbestandes noch einiges zu erwarten. Herkommer hält die Aktie deshalb weiter für einen Outperformer, traut ihr also eine bessere Entwicklung als dem Gesamtmarkt zu. Ihre Kollegen von der Commerzbank stuften die SAP SI-Aktie nach Bekanntgabe der Zahlen von "Halten" auf "Akkumulieren" herauf und riefen ein Kursziel von 21 Euro aus. Aktuell notieren SAP SI allerdings schon bei rund 20 Euro.

Die aus dem Zusammenschluss von SVC und Apcon hervorgegangene Itelligence ist für die Hypovereinsbank-Analystin nicht nur wegen der ausgeprägten Internationalisierungsstrategie eine Empfehlung. Auch spreche die Positionierung im SAP-Umfeld für das Bielefelder Unternehmen. Das überzeugt auch Achim Fehrenbacher vom Hamburger Bankhaus M.M. Warburg. Er rät zum Kauf der Aktie.

Vom Fahren im Windschatten der großen SAP kann nach Meinung etlicher Analysten künftig auch IDS Scheer profitieren, obwohl die Aktie in der Vergangenheit nie als sonderlich attraktiv galt. "Die sind eben verlässlich und betrachten die Börse als ernst zu nehmende Veranstaltung", kommentiert Heinz Steffen von der Commerzbank die Entwicklung mit etwas Süffisanz. Zudem besitze das Saarbrücker Unternehmen durch seine Position als Beratungs- und Produktunternehmen eine einzigartige Stellung. Hinzu komme ein professionelles Management. Einziger Kritikpunkt seinerseits:Die geringe Marge beim Ergebnis vor Zinsen und Steuern von etwa zehn Prozent. "Hier müssten 15 bis 20 Prozent drin sein", sagte Steffen. Die geringe Ausbeute führt er auf die starke Expansion und die Entwicklung eines neuen Produktes zurück. Er empfiehlt die Aktie als Beimischung fürs Depot.

Neben den genannten IT-Dienstleistern haben zuletzt auch Unternehmen von sich reden gemacht, die vorher kaum im Rampenlicht standen: Cancom oder BOV beispielsweise. Große Chancen sieht Sarah Paulke von West LB Panmure für die BOV-Aktie. Und das, obwohl sie im April bereits 100 Prozent an Wert zulegten. Zurzeit notiert der Titel auf einem Niveau knapp über acht Euro. Paulke sieht ihren fairen Wert bei 14,60 Euro. Das Unternehmen liefere nicht nur Computer, sondern bestücke diese auch mit Inhalten bis hin zum Internet-Auftritt. Also genau das, was der Markt in den nächsten Jahren nachfragen wird, glaubt sie.

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