Wirtschaft : IT-Messe Systems erwartet dieses Jahr hohe Einbußen

Aussteller verzichten wegen New Economy-Krise auf Teilnahme

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München (nad). Wegen der Flaute in der High-Tech-Industrie muss Deutschlands zweitgrößte IT-Messe Systems in diesem Jahr mit massiven Einbrüchen rechnen. Die Veranstalter schätzen, dass die Anzahl der Aussteller um ein Viertel auf 1600 zurückgehen wird. Außerdem werden bei der Messe, die im Oktober zum 21. Mal in München stattfindet, nur noch acht Hallen belegt sein; im vergangenen Jahr waren es 15 Hallen, trotz beginnender Branchenkrise und gedämpfter Stimmung nach den Anschlägen in den USA. Noch im Juli hatte die Messe mit zehn Hallen kalkuliert. „Viele Aussteller wollen sich die Teilnahme bis zum letzten Moment offen halten oder haben noch keinen Überblick über ihr Budget“, sagte Messe- Sprecherin Ellen Richter-Maierhofer.

Um zu vermeiden, dass die Besucher durch halb leere Hallen laufen müssten, werde die Messe die Ausstellerfläche weiter reduzieren. Bereits im vergangenen Jahr mussten die Organisatoren eine Reihe von freigebliebenen Flächen durch Sitzgruppen auffüllen. Damals waren immerhin noch 2165 Aussteller und 120 000 Besucher zur Systems gekommen. Die Besucherzahl hofft die Systems in diesem Jahr zu halten.

Auch im vergangenen Jahr litt die Systems schon an den Folgen der New Economy- Krise. An ihren Rekord vom Vorjahr, als noch 3000 Aussteller einen Stand hatten, konnte die Messe bei weitem nicht anknüpfen. Im New Economy-Boomjahr 2000 waren 147 000 Besucher zum Münchener Messegelände geströmt. Für Richter-Maierhofer sind die Probleme der Systems auf die aktuelle Wirtschaftslage zurückzuführen. „Die Messe findet jetzt in einem rabenschwarzen Umfeld statt“, sagte die Sprecherin. Die Firmen hätten ihre Budgets radikal gekürzt. Die Teilnahme an Messen falle dabei meistens zuerst dem Rotstift zum Opfer. Und viele Aussteller, die letztes Jahr noch vertreten gewesen seien, gebe es gar nicht mehr.

Während Firmen, die IT-Lösungen verkaufen, noch relativ stark vertreten sein werden, verzeichnet die Messe in diesem Jahr bei den Dot.coms und in der Telekommunikation einen extremen Rückgang. E-Business- und Internetlösungen wurden im vergangenen Jahr noch in drei Hallen vorgestellt; nun wird es noch eine halbe Halle. So hatte Mobilfunk-Neuling Quam 2001 noch kräftig die Werbetrommel gerührt – jetzt ist das Unternehmen pleite. Auch Mobilfunk-Anbieter wie O2 verzichten auf Präsenz. „Die Systems ist für uns nicht so spannend, weil sie eher Geschäftskunden als Verbraucher anspricht“, begründet ein Sprecher die Absage. Zudem müsse sich O2 in Zeiten schmaler Kassen auf das Wesentliche konzentrieren – das sei die größte Computermesse Cebit.

Auch die Firma Infor, die Software-Applikationen herstellt, denkt so. „Auf der Cebit muss man schon aus Imagegründen präsent sein. Wenn man auf die Systems geht, hat man zur Zeit eher ein negatives Image", sagte Investor Relations-Manager Thomas Thiel. Infor will Kunden in Zukunft lieber mit Besuchen vor Ort, Hausmessen, Roadshows und Werbung per Post locken. Das sei zudem billiger als die Systems-Teilnahme, die Infor eine halbe Million Euro gekostet habe.

Die Systems steht mit ihren Problemen nicht alleine da: Zur größten deutschen Computermesse Cebit waren 2002 nur 700 000 Besucher gekommen; im Vorjahr waren es 850 000 gewesen. Auch die Internet World in Berlin zog eine magere Bilanz: Im März kamen 32 500 Besucher – nicht einmal halb so viele wie im Vorjahr. Immerhin scheint eine Besserung in Sicht: Der Branchenverband Bitkom geht davon aus, dass es der Branche und damit auch den Messen schon im nächsten Jahr deutlich besser gehen wird.

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