Wirtschaft : IT und Telekommunikation: Verband fordert Reform des Bildungssystems

msh

Der Bundesverband der IT- und Telekomunternehmen Bitkom fordert eine grundlegende Reform des deutschen Bildungssystems, um den Mangel an Fachkräften in den Griff zu bekommen. Die Bildungseinrichtungen seien heute nicht in der Lage, IT-Kenntnisse in ausreichendem Maße zu vermitteln. Das sagte Bitkom-Vizepräsident Jörg Menno Harms gestern bei der Präsentation eines bildungspolitischen Grundsatzpapiers in Berlin.

Seit einigen Jahren versuchen Unternehmen und Bundesregierung - zum Beispiel mit der Greencard-Regelung - dem Problem Herr zu werden. Bisher mit wenig Erfolg. Nach Angaben des Bitkom fehlten im Frühjahr 150 000 IT-Fachkräfte. Die Greencard wurde in den letzten 11 Monaten nur von 8000 Personen in Anspruch genommen (Stand Ende Juni), obwohl ein Kontingent von 10 000 zur Verfügung steht.

Als einen Hauptgrud für die Fachkräftemisere macht der Bitkom den Mangel an qualifizierten Hochschulabgängern aus. Nur 28 Prozent der Abiturienten nehmen in Deutschland ein Studium auf. Im Durchschitt der großen Industrieländer sind es 45 Prozent. Harms fordert daher die Einführung von praxisorientierten Bachelor- und Masterstudiengängen, die eher wissenschaftlich ausgerichtet sind. Mittelfristig könnten diese Studiengänge das deutsche System von Diplom- und Magisterstudiengängen ablösen. Um die Studienzeiten zu verkürzen, plädiert der Bitkom für Studiengebühren. Wer länger als die Regelstudienzeit studiert, sollte rund 1000 Mark pro Semester zahlen.

Neben attraktiveren Studienbedingungen fordert der IT-Verband eine verbesserte schulische Bildung. Ab der fünften Klasse "sollte der Einsatz von Computern im Unterricht selbstverständlich sein", so Harms. Um den Unterricht fachgerecht gestalten zu können, sollten die Lehrer bereits während des Studiums den Einsatz des Computers im Unterricht lernen. Hierfür müssten die Studienordnungen entsprechend modernisiert werden. Das Abitur sollten die Schüler in Deutschland einheitlich bereits nach 12 Jahren machen. Hierfür solle der Unterricht auf den Nachmittag ausgeweitet werden.

Um gezielt Mädchen für technische Themen zu begeistern, müssten besondere Fördermaßnahmen ergriffen werden. Der Bitkom fordert daher die Einführung eingeschlechtlicher Mathematik- und Technikkurse für Mädchen in den Schulen.

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