Italien : Berlusconi droht mit Veto bei Alitalia-Verkauf

Seit dem Angebot von Air France, die die angeschlagene Alitalia zu übernehmen, rauscht der Kurs der Fluglinie unaufhaltsam abwärts. Das offizielle Italien schwankt zwischen Empörung und Fatalismus. Oppositionsführer Berlusconi organisiert Widerstand gegen das Angebot.

Paul Kreiner

Rom - 53,4 Cent war die Aktie der italienischen Fluggesellschaft Alitalia vor einer Woche noch wert. Am Montag erwachte die Mailänder Börse mit einem Schock: Im offiziellen Übernahmeangebot, das Air France/KLM für die Alitalia abgegeben hatte, wurde die Aktie auf unter zehn Cent taxiert. Seither rauscht der Kurs der Fluglinie unaufhaltsam abwärts. Und das offizielle Italien schwankt zwischen Empörung und Fatalismus.

Oppositionsführer Silvio Berlusconi drohte am Freitag mit einem Veto, falls er im April zum Ministerpräsidenten gewählt würde. Die Bedingungen der französisch-niederländischen Gruppe seien inakzeptabel. Zuvor hatte er italienische Investoren bereits zu einer Gegenofferte zum Angebot von Air France aufgerufen – und dabei sogar seine eigene, äußerst wohlhabende Familie ins Spiel gebracht. Ein Konsortium für ein Gegenangebot könne von der zweitgrößten italienischen Fluggesellschaft Air One und von der Großbank Intesa SanPaolo finanziert werden, zitierte ihn die Mailänder Zeitung „Corriere della Serra“.

Alitalia selbst hatte dem Kaufangebot der Air France zuvor zugestimmt, genauso wie ein stark ausgedünnter Rest der gerade noch amtierenden Regierung Prodi am Montagabend: „Wir konnten nicht anders.“ Die Herausforderer hatten dem Kabinett offenbar freie Hand gelassen. „Macht schnell“, soll Berlusconi da noch gesagt haben: „Wenn ich im April wieder an die Regierung komme, will ich mir mit dieser Geschichte nicht mehr die Finger schmutzig machen.“

Wirklich gefährlich für Air France könnte nun der Protest der Gewerkschaften werden. Sie halten nämlich das „Pariser Osterei“ für faul. Mit den 1600 oder 1700 Stellen, die beim Flugbetrieb abgebaut werden sollen, hätten sie leben können; dasselbe hatte auch die Alitalia bereits als unumgänglich bezeichnet. Ungewiss bleibt aber das Schicksal von gut 5000 Beschäftigten des Bodenpersonals, die derzeit bei einer staatlichen Holding geparkt sind und wohl nicht in die „Pariser Alitalia“ zurückwandern.

Ferner hat sich zur Verblüffung selbst von Experten herausgestellt, dass die Air France den Frachtbetrieb der Alitalia bis 2010 einstellen will. Das kostet weitere Arbeitsplätze. Deswegen sind auch die Piloten, die zuvor freudig für die „Reise nach Paris“ plädiert hatten, nun auf Distanz zur Air France gegangen.

Die Frachtfrage verschärft ein weiteres Problem: Was geschieht mit dem Großflughafen Mailand-Malpensa? Er ist, mitten in Norditaliens Industriezentrum liegend, der bedeutendste Frachtflughafen Italiens. Malpensa wurde vor zehn Jahren eingeweiht, und die Alitalia wurde dazu gezwungen, ihn neben Rom-Fiumicino als zweites internationales Drehkreuz zu betreiben. Bei Alitalia gehen allein 200 Millionen Euro Jahresverlust auf dieses Konto. Um ein tödliches Ausbluten zu vermeiden, hat Alitalia aus dem kommenden Sommerflugplan bereits 180 der 350 Flüge von und nach Malpensa gestrichen. Das könnte teuer kommen: Die Mailänder Flughafengesellschaft SEA hat die Alitalia auf 1,25 Milliarden Euro Schadenersatz verklagt. Diese sei vertraglich zur Aufrechterhaltung des Betriebs verpflichtet.

Diese 1,25 Milliarden Euro lasten auch als Drohung über dem Verkauf der Alitalia nach Frankreich. Die Air France will dafür nicht in die Pflicht genommen werden. Wer aber zahlt dann, falls die Gerichte der SEA stattgeben? Italiens Regierung? Und woher kommt das Geld? Aus dem Verkaufsgewinn nicht. Denn die Air France will nur 138 Millionen Euro für die Alitalia zahlen – ein Zehntel der möglichen Mailänder Vertragsstrafe. Paul Kreiner

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