"Italien ist extrem reich" : Allianz findet Marktreaktion übertrieben

Die Turbulenzen in Italien sind für den Versicherer Allianz, der das Land als ihren „zweiten Heimatmarkt“ bezeichnet, kein Grund zur Sorge.

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Berlin - Die Allianz, Europas größter Versicherungskonzern, bekommt die Folgen der Schuldenkrise zu spüren. Im dritten Quartal brach der Gewinn deutlicher als erwartet ein, weil der Konzern griechische Staatsanleihen abschreiben musste und in den Sog sinkender Aktienkurse geriet. Zwischen Juli und September verbuchte die Allianz unter dem Strich nur noch einen Überschuss von 196 Millionen Euro – 85 Prozent weniger als ein Jahr zuvor (1,3 Milliarden Euro). Operativ verdiente der Konzern 1,9 Milliarden Euro (minus 7,3 Prozent).

Die Turbulenzen in Italien sind für die Allianz, die das Land als ihren „zweiten Heimatmarkt“ bezeichnet, aber kein Grund zur Sorge. „Wir sind zuversichtlich, dass sich die Situation mit der neuen Regierung stabilisieren wird“, sagte Risikovorstand Oliver Bäte am Freitag in einer Telefonkonferenz. Die heftigen Marktreaktionen auf die hohe Verschuldung nannte er „total übertrieben“ und „reine Spekulation“. Bäte kritisierte, dass die Spekulation gegen einzelne Länder auf unregulierten Märkten nach wie vor möglich sei. Dies könne nicht im Interesse der Gesellschaft sein, es schade zudem Aktionären und Kunden. „Es wird dringend Zeit, dass wir dem einen Riegel vorschieben.“

Italien habe kein Problem mit seiner Wirtschaftsleistung, sondern ein politisches Problem. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt seien die Vermögen der italienischen Unternehmen und Haushalte größer als in Deutschland. „Italien ist ein extrem reiches Land“, sagte Bäte. Die wirtschaftliche Substanz sei mit der von Griechenland nicht zu vergleichen. Abschreibungen auf ihren Bestand italienischer Staatsanleihen mit einem Buchwert von 25,6 Milliarden Euro habe die Allianz nicht vorgenommen, da es in Italien keine Schuldenrestrukturierung gebe und auch nicht geben werde, glaubt Bäte.

Zu den Folgen eines möglichen Zahlungsausfalls wollte sich der Allianz-Vorstand nicht äußern, weil er ihn für extrem unwahrscheinlich hält. „Ich spekuliere auch nicht darüber, dass der Himmel zusammenbricht.“ Dagegen erwartet der Versicherer bei griechischen Staatsanleihen zusätzliche Ergebnisbelastungen im vierten Quartal. Griechische Bonds stehen mittlerweile nur noch mit 39 Prozent (497 Millionen Euro) ihres Nominalwertes in den Büchern der Allianz.

Eine stärkere öffentliche Beteiligung der Versicherungsbranche an der Bekämpfung der Schuldenkrise lehnte Oliver Bäte ab. „Wir leisten technische Unterstützung, aber es gilt weiter das Primat der Politik.“ Allianz-Finanzvorstand Paul Achleitner gehört zu den Architekten der Hebellösung, mit der der Rettungsschirm EFSF erweitert werden soll.

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