ITALIEN : ITALIEN

STAATSVERSCHULDUNG:



120 Prozent

KURSVERLUST SEIT DEM 1. JULI:

23 Prozent (FTSE MIB Index)

Bis Anfang Juli war alles in Ordnung. Italien galt trotz Gesamtschulden von 1,8 Billionen Euro als widerstandsfähig und einigermaßen gewappnet gegen die Krise – wegen seiner starken Wirtschaft und des geringen Anteils von Auslandsschulden an den gesamten Staatsverbindlichkeiten. Dann geriet das Land plötzlich doch noch in den Fokus der Märkte – nachdem Griechenland kurz zuvor durch ein Sparpaket den Bankrott abgewendet hatte. Die Kurse stürzten, Anleger verlangten für Staatsanleihen immer höhere Zinsen. Für den Fortbestand des Euro ist Rom entscheidend, denn es gilt als unmöglich, Italien auf Dauer durch die übrigen EU-Länder zu stützen. Auf Druck der Europäischen Zentralbank beschloss Italiens Kabinett am Freitagabend in einer Sondersitzung ein Paket aus Kostensenkungen und Steuererhöhungen im Volumen von 45,5 Milliarden Euro für die kommenden zwei Jahre. Damit will das Land bereits 2013 einen ausgeglichenen Haushalt vorlegen, wie Ministerpräsident Silvio Berlusconi ankündigte. Im Sparpaket ist vorgesehen, eine Solidaritätssteuer für Besserverdiener einzuführen. Sie soll für Jahreseinkommen von mehr als 90 000 Euro bei fünf Prozent liegen, ab 150 000 Euro werden zehn Prozent verlangt. Die Steuer auf Finanzerträge steigt von 12,5 auf 20 Prozent. Zudem wird das Renteneintrittsalter für Frauen in der Privatwirtschaft schneller als geplant auf 65 erhöht. Ferner sollen alle nicht-religiösen Feiertage wie der Nationalfeiertag an Sonntagen begangen werden, um zusätzliche Arbeitstage zu schaffen. In Regionen, Provinzen und Kommunen sollen bis zu 50 000 Stellen abgebaut werden. Eine Sanierung der italienischen Finanzen binnen kurzer Zeit erscheint deutlich leichter als in Griechenland oder Portugal, lag doch die Neuverschuldung 2010 nur bei 4,7 Prozent. brö

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