Wirtschaft : Italienische UMTS-Lizenz: Vergabe ohne Deutsche Telekom

Wenn im Herbst die UMTS-Mobilfunklizenzen in Italien unter den Hammer kommen, fehlt unter Europas führenden Mobilfunkkonzernen die Deutsche Telekom. Acht Unternehmen und Konsortien haben am Donnerstag ihre Bewerbung eingereicht. "Wir werden an der Versteigerung nicht teilnehmen", beseitigte Telekom-Sprecher Stephan Broszio am Donnerstag noch einmal alle Zweifel. Den Telekommunikationsriesen plagen derzeit andere Sorgen: Seit Wochen befindet sich die T-Aktie auf dramatischer Talfahrt. Seit ihrem Höchststand im April (105 Euro) hat die Aktie 60 Prozent an Wert eingebüßt. Vor wenigen Tagen schrammte das Papier die 40-Euro-Marke, als es mit 41,35 Euro ein Jahrestief erreichte. Nicht nur die Ernüchterung der Anleger über Internet- und Telekommunikationswerte hat den Kurs der T-Aktie in den Keller geschickt: Hinzu kommen die bevorstehenden Milliarden-Ausgaben für UMTS-Mobilfunklizenzen. So fallen allein in Großbritannien und Deutschland für die Konzessionen rund 30 Milliarden Mark an.

Außerdem müssen die Bonner noch die geplante Übernahme des US-Mobilfunkbetreibers Voicestream für mehr als 100 Milliarden Mark - finanziert über einen Aktientausch - verdauen. Weiteres Gift für die T-Aktie war schließlich die Ankündigung von Rating-Agenturen, wegen der Milliarden-Ausgaben die Bonität der Telekom herabzustufen. Am Donnerstag konnte die T-Aktie um 0,97 auf 43,37 Euro zulegen.

Analysten wie Holger Grawe von der Düsseldorfer WestLB Panmure halten die Kursabschläge indes für übertrieben. Unter den Erwerbern einer UMTS-Lizenz in Deutschland könne die Telekom die enormen Kosten am ehesten verkraften. Tatsächlich sind die Kassen des Telefonriesen gut gefüllt. Durch den Verkauf von Vermögensbesitz, dem TV-Kabelnetz und von Beteiligungen lassen sie sich Experten zufolge um gut 30 Milliarden Mark weiter aufbessern.

Doch in Italien zog Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick erst einmal die Notbremse. Die Telekom müsse nicht in jedem europäischen Land eine UMTS-Lizenz besitzen, sagte er. Dass jetzt in Italien für die Telekom keine Lizenzkosten in Milliardenhöhe entstehen, werde die Börse positiv honorieren, glaubt Theo Kitz von der Privatbank Merck Finck & Co. Doch für die Strategie in Europa sei das von Nachteil. Denn Italien gilt neben Deutschland, Großbritannien, Frankreich und Spanien als einer der wichtigsten Mobilfunkmärkte. So geben sich die Branchenriesen beim UMTS-Poker im Herbst wieder ein Stelldichein: Neben den etablierten Mobilfunkbetreibern Telecom Italia Mobile (TIM), Omnitel (Vodafone), Wind (Enel/France Télecom) und Blu (British Telecom) sind das als Marktneulinge die Konsortien Andala (Hutchison Whampoa) und Ipse (Telefónica/Sonera). Um die fünf Lizenzen bewerben sich noch zwei weitere Konsortien.

"In Italien muss man einfach dabei sein, weiße Flecken auf der Landkarte sind schlecht", meint Telekom-Analyst Kitz. Dabei sind die Marktführer im europäischen Mobilfunk über Tochterfirmen oder Konsortien in fast allen großen Ländern vertreten, wo Lizenzen bereits vergeben wurden: Vodafone und British Telecom in drei Ländern (Spanien, Großbritannien, Deutschland), France Télécom und die Deutsche Telekom, Telefónica und Hutchison Whampoa in jeweils zwei Ländern. Auch die Telekom hat in Italien noch nicht völlig aufgegeben, auch wenn der Einstieg bisher zweimal scheiterte. So will Firmensprecher Broszio einen späteren Einstieg über eine Beteiligung bei einem Lizenzgewinner nicht ausschließen. Und Theo Kitz geht noch einen Schritt weiter: Vielleicht "kommen sich Telekom und Telecom Italia doch noch näher".

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