Wirtschaft : Italiens Nationalbankchef will nicht zurücktreten

Antonio Fazio verteidigt sich vor einem Ministerausschuss gegen den Vorwurf unkorrekten Verhaltens

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Rom Der italienische Zentralbankchef Antonio Fazio hat am Freitag Vorwürfe über unkorrektes Verhalten und angebliche Rücktrittsabsichten entschieden zurückgewiesen. Er habe stets gewissenhaft die Rechtsordnung befolgt, sagte Fazio vor einem Ministerausschuss unter Leitung von Wirtschaftsminister Domenico Siniscalco. Niemals habe er mit seinem Verhalten italienische Bieter beim Übernahmekampf um italienische Banken begünstigt, erklärte der Gouverneur.

Fazio ist unter gewaltigen Druck geraten. Eigentlich zur Neutralität und zur Überwachung der Rechtsnormen verpflichtet, soll er die kriminellen Machenschaften eines norditalienischen Bankiers begünstigt haben. Bei der Europäischen Zentralbank fordert man „Klarheit“, Italiens Opposition verlangt Fazios Rücktritt. Den letzten und institutionell schwersten Schlag hat Luca Cordero di Montezemolo geführt, der Präsident des italienischen Arbeitgeber- und Industrieverbandes. Mitten im Sommerfrieden befand er, das Land verliere an internationaler Glaubwürdigkeit. Fazio solle „eine Geste der Verantwortlichkeit“ setzen und abtreten.

Danach sah es am Freitag nicht mehr aus. Der Ministerausschuss habe die Ausführungen Fazios „zur Kenntnis genommen“, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa im Anschluss. „Er hat die tiefe Überzeugung gezeigt, sich korrekt verhalten zu haben. An diesem Punkt schließe ich eine direkte und schnelle Initiative seitens der Regierung aus“, erklärte Arbeitsminister Roberto Maroni. In Italien ist der Zentralbankchef auf Lebenszeit bestellt. Wegen der lauter werdenden Kritik an dieser absoluten Machtposition fordern derzeit viele Politiker aus dem Regierungs- und dem Oppositionslager, die Amtszeit künftig zu beschränken.

Dubios ist die Affäre Fazio gleich unter zwei Aspekten. Zum einen wollten es Fazio und die landestypische „Marmelade aus Institutionen, Politik, Wirtschaft und Illegalität“ (Montezemolo) verhindern, dass ausländische Banken auf italienischen Boden vordrangen. Die 15-Prozent-Begrenzung, die Rom für ausländische Beteiligungen vorgibt, stößt zwar bei der EU auf Bedenken; das hat Fazio aber nicht gehindert, sich gegen die niederländische ABN Amro zu sperren, die im Frühjahr zum Kauf auf die neuntgrößte italienische Bank, die Anton Veneta in Padua, angesetzt hatte.

Lieber war dem Nationalbankchef das parallele Vordringen Gianpiero Fioranis. Das ist der zweite Aspekt der Affäre. Fiorani führte zuletzt die provinzielle Banca Popolare di Lodi. Auch er bemühte sich um die AntonVeneta – aber weil der italienischen Finanzpolizei einiges seltsam vorkam, hörte sie die Telefonate der Beteiligten ab. Aus den Abhörprotokollen geht auch die Verwicklung von Nationalbankchef Fazio in die Affäre hervor. Italien erwartet jetzt Antworten. pak/dpa

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