Wirtschaft : ITB 2001: Am Urlaub sparen die Bundesbürger zuletzt

mo

Die Reiselust der Deutschen scheint ungebrochen. Jahr für Jahr geben die Bundesbürger mehr für ihren Urlaub im Ausland aus. Zwar erfüllten sich die Erwartungen mancher Reiseveranstalter im letzten Jahr nicht ganz. Nur mühsam kam der Pauschaltourismus auf Touren, was gern auf das ungewöhnlich gute Wetter im Frühsommer und auf die Fußball-Europameisterschaft zurückgeführt wird. Allerdings decken die Veranstalter hierzulande mit ihren Pauschalangeboten auch nur die Hälfte des Reisemarktes ab.

Kontext:
Die Tagesspiegel-Beilage zur ITB ITB-Gewinnspiel

Doch ob individuell oder von der Stange - unterm Strich wird kaum am Urlaub gespart. Über 95 Milliarden Mark, berechnete das Statistische Bundesamt im Vorfeld der Internationalen Tourismusbörse, die vom 3. bis 7. März in Berlin stattfindet, ließen sich die Deutschen im Jahr 2000 "ihre schönsten Wochen" kosten. Zum Vergleich: 1990 waren es nach Angaben der Deutschen Bundesbank erst 55 Milliarden Mark und 1980 ein schlappes Drittel - 31 Milliarden Mark.

Grafik:
Tourismusjahr 2000

Das meiste Geld lassen die Bundesbürger in vier Ländern. Neben Italien, Österreich und Frankreich gehört dazu nach wie vor Spanien. Die iberische Halbinsel gilt immer noch als beliebtestes Reiseziel der Deutschen, obwohl gerade hier die Zuwachsraten zuletzt schwächer ausgefallen sind als in den Vorjahren. Renate Finke von der Dresdner Bank führt das auf höhere Preise für Hotels und eine gewisse Mallorca-Müdigkeit zurück. "Erste Grenzen des Massentourimus", konstatiert derweil der Hamburger Freizeitforscher Horst Opaschwoski, der auch wissenschaftlicher Leiter des British-American-Tobacco (BAT)-Freizeit-Forschungsinstitut ist, das unlängst die 17. Deutsche Tourismusanalyse vorlegte. Anders als in Spanien sieht es in der Türkei aus. Das Land erfreut sich wachsender Beliebtheit. Allein im zweiten und dritten Quartal 2000 verzeichnete das Land 70 Prozent mehr Einnahmen deutscher Touristen. Und nach der Freigabe des Wechselkurses hofft man auf noch bessere Geschäfte.

Grundsätzlich kann die deutsche Reisebranche - nach dem Handel hierzulande mit 2,8 Millionen Beschäftigten der wichtigste Dienstleistungssektor - auch 2001 mit noch besseren Geschäften rechnen. Denn die Steuerentlastungen dürften sich auch im Portemonnaie der Privathaushalte bemerkbar machen. Bis zu fünf Prozent mehr sollen nach einschlägigen Analysen zusätzlich an verfügbarem Einkommen übrig bleiben.

Das sollte auch den deutschen Tourismusregionen zu Gute kommen. Zwar ließen sich auch die Reisenden, die Deutschland im letzten Jahr besuchten, nicht lumpen. Immerhin blieben 34 Milliarden Mark im Lande nach 31 Milliarden Mark ein Jahr zuvor. Doch es fehlen Attraktionen, wie das im Bach-Jahr der Fall war. Auch eine Expo gibt es nicht, die die Einnahmen aus dem Ausland begünstigen könnten. Deshalb hat die Bundesregierung die Gemeinschaftsinitiative "Jahr des Tourismus 2001 in Deutschland" aus der Taufe gehoben. Jeden Monat wird für eine bestimmte Ferienregionen die Werbetrommel gerührt. Mehr Besucher aus dem Ausland, erwarten Branchenkenner dadurch aber nicht: Allenfalls der Inlandstourismus dürfte auf Touren kommen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben