Wirtschaft : Iveco und MAN unter Druck (Kommentar)

Alfons Frese

In der Autoindustrie vergeht keine Woche ohne spektakuläre Nachrichten. Werksschließungen oder große Internetpläne, Übernahmen oder strategische Allianzen prägen derzeit das Bild der Branche. Nun macht auch Volvo Schlagzeilen. Schwedens größter Autohersteller hat mit der Lkw-Sparte von Renault endlich eine Größe erreicht, die Präsenz auf allen wichtigen Märkten und damit eine gewisse Existenzsicherheit gewährleistet. Das war ein langer Weg: Vor sieben Jahren waren sich die Volvo-Manager bereits mit Renault einig geworden, Aktionäre verhinderten damals die Fusion. Um Geld für den Einstieg bei Scania zu bekommen, verkaufte Volvo im vergangenen Jahr den Pkw-Bereich an Ford. Doch das Investment scheiterte am Veto der EU-Kommissare: Volvo/Scania hätten den nordeuropäischen Markt im Griff gehabt.

Nun, mit Renault-Lkw, liegen die Schweden hinter DaimlerChrysler an der Weltspitze. Und Renault? So, wie die Schweden auf Lkw, beschränken sich die Franzosen künftig auf Pkw. Aber das offensiv, wie die Milliardenübernahme des südkoreanischen Herstellers Samsung gerade gezeigt hat; zuzüglich Nissan, wo Renault vor einem Jahr einstieg, sind die Franzosen nun gut in Asien unterwegs; da wird in den kommenden Jahren der größte Absatz erwartet.

Wie geht es weiter? Diese Frage stellen sich in Europa vor allem die Strategen der Fiat-Tochter Iveco und der Münchener MAN. Iveco wäre auch gern mit Volvo zusammengegangen, jetzt stehen die Italiener allein da. Vielleicht übernimmt ja MAN Iveco. Oder die MAN-Manager zieren sich nicht länger und lassen den Einstieg von VW zu. VW-Chef Ferdinand Piëch, als hartnäckig bekannt, will seine Mehr-Markenstrategie mit einer dritten Lkw-Firma (neben VW Nutzfahrzeuge und der Scania-Beteiligung) komplettieren. Und MAN würde gut in die Lücke zwischen VW-Transportern und Scania-Lastern passen. Wie auch immer: Die Autobranche sorgt weiter für Spannung.

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