IW-Innovationsatlas : Bayern sind erfinderischer als Berliner

Im Süden Deutschlands werden die meisten Patente eingereicht. Der Norden und der Osten hinken hinterher.

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Innovativ ist in Deutschland vor allem der Süden.
Innovativ ist in Deutschland vor allem der Süden.Foto: jesussanz Fotolia

Im Süden ist Deutschland Weltklasse, im Norden und im Osten hinkt das Land hinterher - zumindest wenn es um technische Innovation geht. Das zeigt der erste Innovationsatlas des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW), der am Montag in Berlin vorgestellt wurde. Demnach werden nirgendwo in Deutschland so viele Patente angemeldet, wie in Bayern und Baden-Württemberg.

Der Raum Stuttgart liegt mit 577 Patentanmeldungen pro 100.000 sozialversicherungspflichtigen Beschäftigen bundesweit an der Spitze. Zum Vergleich: In Berlin sind es 53. „Würde das ganze Land wie in Baden-Württemberg und Bayern forschen, lägen wir im internationalen Vergleich auf Platz eins", sagt IW-Wissenschaftler Oliver Koppel.

Bildung als Voraussetzung für Innovation

Die Dominanz des Südes zu durchbrechen, gelang allein den Wirtschaftsräumen rund um Wolfsburg und Jena. In beiden Regionen fließt überdurchschnittlich viel Geld in die Forschung - mit entsprechenden Patenterfolgen. Insgesamt allerdings verpassen drei Viertel der deutschen Wirtschaftsräume das EU-Ziel, zwei Prozent der Wirtschaftsleistung in unternehmerische Forschung zu investieren. Die Unternehmen selbst müssten dem Wissenschaftler zufolge hier ansetzen. Aber auch die Politik.

Wo Deutschland Patente anmeldet.
Wo Deutschland Patente anmeldet.Foto: IW Köln/ TSP

„Die Politik muss mehr dafür tun, dass bislang schwächere Innovationsregionen wieder aufschließen, ohne die Top-Regionen zu schwächen“, sagt Koppel. Forschende Unternehmen sollten steuerlich begünstigt werden, das Breitbandinternet insbesondere in Ostdeutschland weiter ausgebaut werden. Auch der Faktor Bildung sei dem Wissenschaftler zufolge nicht zu unterschätzen. Länder, die im Pisa-Ranking in den naturwissenschaftlichen Fächern gut abschneiden, seien auch in der Studie auf den vorderen Plätzen zu finden. „Innovationsfreundliche Politik fängt mit der Bildung an“, sagt Koppel.

Berlin schöpft Potentiale nicht aus

Dass sich die Innovationsstandorte künftig im gesamten Bundesgebiet verteilen, hält Koppel „weder für möglich, noch für sinnvoll“. Ihm zufolge soll sich die Innovationskraft vor allem in Städten bündeln. Allerdings nicht nur im Süden, sondern deutschlandweit. Berlin beispielsweise bleibe als Hauptstadt weit hinter seinen Möglichkeiten zurück. Trotz exzellenter Hochschullandschaft werde hier im Vergleich zu anderen Städten nur wenig geforscht. "Berlin ist sehr geprägt von Dienstleistungen. Es wird viel adaptiert und umgesetzt. Im Bereich Innovation tut sich die Stadt allerdings schwer", sagt Koppel. Um das zu ändern, müssten Anreize geschaffen werden. Dann würde die hippe Künstlerszene vielleicht um technologische Start-ups ergänzt.

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