Wirtschaft : IW: Ostdeutschland holt immer noch nicht auf

BERLIN (jhw).Die ostdeutsche Wirtschaft kommt im kommenden Jahr nicht näher an die westdeutsche heran, fällt aber auch nicht weiter zurück.Das erwartet das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln.Wie das IW am Donnerstag in Berlin mitteilte, befinde sich die ostdeutsche Wirtschaft in einer durchaus befriedigenden Verfassung: Der Anteil der Unternehmen, die steigende Produktions- und Umsatzergebnisse meldeten, sei binnen Jahresfrist von rund 50 Prozent auf fast zwei Drittel gestiegen.

"Eine Rezession ist nicht zu befürchten", konstatiert das IW in seiner Konjunkturumfrage für Ostdeutschland.Gleichwohl gebe es "leichte Bremsspuren", sagte Rolf Kroker, einer der Geschäftsführer des als unternehmernah geltenden Wirtschaftsforschungsinstituts.Da die konjunkturellen Risiken derzeit im weltwirtschaftlichen Umfeld angesiedelt seien, wirke die vergleichsweise geringe Exportabhängigkeit wie ein "Konjunkturpuffer".Die Rußlandkrise beeinträchtigt die ostdeutschen Betriebe nach IW-Angaben keineswegs stärker als die westdeutschen - auch wenn der Rußland-Anteil ihrer Exporte mehr als viermal so hoch sei als jener in der alten Bundesrepublik."Für fast zwei Drittel der befragten Firmen hat die Krise in Rußland überhaupt keinen Einfluß auf die Exportperspektiven", stellte Kroker fest.Nur acht Prozent der Ost-Unternehmen sähen sich durch die Turbulenzen der russischen Wirtschaft "erheblich" im Exportgeschäft behindert.

Alles in allem reicht die Dynamik in der ostdeutschen Industrie nach Auffassung der Wirtschaftsforscher nicht aus, um den Aufholprozeß der neuen Bundesländer wieder in Gang zu bringen.Das IW befragte 500 Unternehmen aller Branchen.Das Institut verschickte die Fragebögen Anfang Oktober, also nach der Bundestagswahl.Die momentane Beschäftigungssituation wird demnach besser bewertet als zuvor: Zum ersten Mal, seit das IW seine Konjunkturumfrage in den neuen Ländern durchführt, sei der Anteil der Firmen, die steigenden Personalbestand melden, größer als jener mit sinkendem.Mit Abstand am besten schnitten die Investitionsgüter-Hersteller - die Industriezulieferer - und die Dienstleister ab, am schlechtesten gehe es der Bauwirtschaft.Laut IW-Prognose geht die Anzahl der Beschäftigten in den neuen Ländern insgesamt um 30 000 zurück, während die Zahl im Westen steigt.

In einer hartnäckigen Krise steckten vor allem die Bauwirtschaft und ihre Zulieferer, wenngleich sie den Tiefpunkt der Rezession durchschritten hätten.Dagegen befänden sich die übrige Industrie und das Dienstleistungsgewerbe in einer robusten Verfassung.Gleichwohl haben sich die Ertragserwartungen der ostdeutschen Unternehmen verschlechtert: Vor einem Jahr rechneten 55 Prozent der befragten Unternehmen mit steigenden Gewinnen, jetzt sind es nur noch 44 Prozent.Seinerzeit erwarteten elf Prozent sinkende Gewinne, nun sind es 20 Prozent.Besonders erfolgreich stehe Thüringen da, sagte Kroker."Nirgends ist die Stimmung in Ostdeutschland so gut wie hier." Trotzdem werde das regionale Gefälle zwischen den neuen Ländern kleiner.Die Nachzügler - Brandenburg und Sachsen-Anhalt - holten offenbar auf.

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