Wirtschaft : IW-Studie: Servicesektor gewinnt weiter an Bedeutung

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Dienstleistungen werden für die Wirtschaft immer wichtiger. Der Wandel zur Dienstleistungsgesellschaft bedeutet jedoch nicht, dass in Deutschland die Industrie an Bedeutung verlieren wird. Vielmehr ergänzten beide Sektoren einander und seien bereits zu einem Verbund verschmolzen, ergab die Studie "Preussag Dienstleistungsreport 2000", die das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln (IW) zusammen mit dem Touristikunternehmen Preussag AG erstellt hat. Der Grund: Industriegüter würden heute zunehmend zusammen mit den dazugehörenden Serviceleistungen verkauft, haben die Forscher herausgefunden. Auch deshalb seien weltweit zwischen 1991 und 1999 gut 44 Millionen neue Dienstleistungsjobs entstanden. Dies entspreche einem Plus von 16 Prozent, das allerdings auch aus der zunehmenden Konzentration der Industrieunternehmen auf ihr Kerngeschäft resultiert - Dienstleistungsbereiche werden in der Folge zunehmend ausgegliedert.

Dabei, so die Wirtschaftswissenschaftler, verringere sich der Abstand zwischen der Europäischen Union und den USA in puncto Wandel zur Servicewirtschaft. Gleichwohl seien die Vereingten Staaten noch immer das weltweit führende Dienstleistungsland. Werden in Europa knapp 70 Prozent der Bruttowertschöpfung mit Serviceleistungen erwirtschaftet, sind es in den USA noch 74 Prozent.

Neben einem Beschäftigungszuwachs trage der dritte Sektor auch zu einer dauerhaften Stabilisierung der Wirtschaft bei, schreiben die IW-Forscher. Denn die Konjunktur im Dienstleistungsbereich schwanke weniger stark als die in der Industrie, zudem sei die mittlere durchschnittliche Wachstumsrate höher. Wachstum fand vor allem in den unternehmensnahen Dienstleistungen statt. Diese legten zwischen 1991 und 1999 in Deutschland um 50 Prozent zu, in den USA waren es sogar 54 Prozent. Zu den am stärksten nachgefragten Leistungen gehören besonders die Datenverarbeitung, aber auch Service im Grundstücks- und Wohungswesen, Forschung und Entwicklung, Unternehmensberatung, Architektur, Reinigung oder Bewachung. 67 Prozent des nominalen Weltsozialprodukts werden mittlerweile durch Dienstleistungen erwirtschaftet - 1980 waren es erst 56 Prozent. Die wachsende Bedeutung des Servicesektors komme zudem vor allem unteren Einkommensgruppen zugute. Das Beispiel USA zeige, dass der Beschäftigungsboom dort nicht nur Billigjobs geschaffen habe, sondern zu fast zwei Dritteln gut bezahlte Tätigkeiten.

In Zukunft, so die Prognose des Reports, wird der Dienstleistungssektor weiter wachsen. Bis 2008 wird die Beschäftigung in diesem Bereich hier zu Lande um zehn Prozent wachsen, in den USA um 19 Prozent, erwarten die Wissenschaftler. Sieben von zehn Beschäftigten dürften dann im Service-Sektor arbeiten.

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