Wirtschaft : IWF als Retter in der Finanzkrise

Erneute Kurseinbrüche in Japan und Südkorea / Apec beschließt Zollsenkung TOKIO / VANCOUVER (ga/HB/AP).Mit einem drastischen Kurseinbruch haben die Aktienmärkte in Fernost am Dienstag auf den Zusammenbruch des viertgrößten japanischen Wertpapierhauses Yamaichi Securities reagiert.In Tokio gab der Nikkei-Index um 854,53 Punkte oder 5,11 Prozent nach und notierte zum Börsenschluß bei 15 867,53 Punkten, der zweitgrößte Kurseinbruch in diesem Jahr.Der Dollar konnte gegenüber der japanischen Währung an Wert zulegen und stieg im Handelsverlauf um 1,77 Yen auf 127,73 Yen.In Seoul verzeichnete das Börsenbarometer CSI mit einem Verlust von 11,05 Punkten und 2,5 Prozent auf 439,59 den tiefsten Stand seit einem Jahrzehnt.Auch in Hongkong gaben die Kurse weiter nach. Bei den massiven Abgaben insbesondere von nicht-japanischen Investoren standen in Tokio angesichts der Unsicherheit des Finanzsystems Bank- und Brokerwerte sowie Unternehmen der japanischen Bauindustrie im Mittelpunkt.Diese ist ebenfalls mit hohen Problemkrediten oder Zahlungsverpflichtungen für geplatzte Immobilienspekulationen belastet.Die weiterhin unpräzisen Erklärungen von führenden Politikern über staatliche Hilfsmaßnahmen zur Stabilisierung des Finanzsystems blieben im Gegensatz zur Vorwoche nun für das Marktgeschehen irrelevant.So ist weiterhin völlig unklar, wann es zu Entscheidungen der japanischen Regierung kommt. Von japanischen Brokeranalysten wird daher vorerst nicht mit einer Stabilisierung des Marktes gerechnet, da sich verschiedene andere Finanzinstitute ebenfalls in einer geschäftlich prekären Lage befinden.Daneben wird darauf verwiesen, daß am Markt jetzt auch die Universalhandelshäuser aufgrund ihres starken Engagements an den Finanzmärkten kritischer beurteilt würden.Erforderlich zur Einleitung einer Trendwende seien eine staatliche Stabilisierung des Finanzsystems, die Aufhebung der Börsenumsatzsteuer sowie fiskalpolitische Maßnahmen zur Konjunkturstimulierung.Am Seouler Aktienmarkt, wo es bereits an den beiden Vortagen mit Blick auf das erwartete IWF-Restrukturierungsprogramm zu einem massiven Kursverfall gekommen war, fiel der Index um weitere 2,4 Prozent bis auf 439,59 Punkte, da der Zusammenbruch von Yamaichi Befürchtungen auslöste, daß es künftig auch in Korea zum Kollaps von Finanzinstituten kommen könnte.Am Rentenmarkt stieg das Renditeniveau weiter auf 17,5 gegenüber 12,5 Prozent vor einem Monat. Die Staaten des Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsforums (Apec) wollen die Finanzkrise in ihrer Region mit gemeinsamen Hilfsaktionen und intensiveren Handelsbeziehungen in den Griff bekommen.Im Entwurf für die Schlußerklärung des Apec-Gipfels in Vancouver, den die Staatschefs am Dienstag billigen wollten, wird dem Internationalen Währungsfonds (IWF) aber die Hauptrolle bei der Sanierung der angeschlagenen Tigerstaaten zugeschrieben. IWF-Notkredite sollen allerdings im Einzelfall von Apec-Ländern aufgebessert werden.In Vancouver fiel auch der Startschuß für die größte Initiative zum Zollabbau in der Geschichte der pazifischen Handelsbeziehungen."Wir und die internationale Gemeinschaft haben großes Interesse an der raschen und dauerhaften Wiederherstellung finanzpolitischer Stabilität sowie an gesundem und nachhaltigem Wachstum in der Region", betonte die Apec zum Abschluß ihres fünften Gipfeltreffens.Die Voraussetzungen seien vorhanden, heißt es in dem vorab vorgelegten Entwurf.Die Pazifikanrainer vereinbarten aber weder konkrete Maßnahmen noch legen sie einen eigenen Hilfsfonds auf, wie von asiatischer Seite gefordert worden war.Vielmehr soll weiterhin der IWF mit seinen strengen Auflagen für die Gesundung der Tigerstaaten sorgen und nur im Einzelfall finanzielle Unterstützung von reicheren Apec-Staaten bekommen.Mit welchen Beträgen die IWF-Leistungen aufgebessert werden sollen, blieb allerdings offen. Zweites Ergebnis des Gipfels ist die umfangreichste Initiative zur Marktöffnung seit Gründung der Apec 1989.In 15 Branchen sollen auf freiwilliger Basis so bald wie möglich Zölle und andere Handelsbarrieren abgeschafft werden, um den Warenaustausch im Pazifikraum noch zu vergrößern.Besonders die USA erhoffen sich dadurch besseren Zugang zu den heute oft noch stark abgeschotteten asiatischen Märkten.In neun Branchen mit einem Volumen von 700 Mrd.Dollar, darunter so boomende Bereiche wie Telekommunikation, Chemie und Energie, soll 1999 mit dem Zollabbau begonnen werden.

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