Wirtschaft : IWF auf der Suche nach sich selbst

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Von Dieter Fockenbrock

Die meisten Randalierer sind diesmal zu Hause geblieben – zum Glück. Denn Straßenschlachten mit der Polizei bringen den Internationalen Währungsfonds (IWF) nicht weiter. Ohne öffentlichen Druck, könnten Kritiker nun einwenden, kommt der IWF unter der Führung seines Direktors Horst Köhler aber nicht voran. Weder für das Schuldenproblem der armen Länder dieser Welt noch für das Thema Krisenmanagement wurden in Washington neue Lösungen gefunden. Die Tagungsteilnehmer verabschiedeten sich mit den üblichen Floskeln.

Köhler ist trotzdem fest entschlossen, den Währungsfonds zu reformieren. Die Frage ist nur, ob die 184 Mitglieder sich dabei nicht nur um sich selbst drehen. Natürlich muss ums Detail gefochten werden, um optimale Ergebnisse zu erzielen. Und natürlich muss Köhler manche Kompromisse akzeptieren, weil zwischen den Interessen der reichen – und dominierenden – Industriestaaten und denen der armen Entwicklungsländer Welten liegen. Doch eines will der IWF partout nicht: sich selbst und seine Aufgaben in Frage stellen.

Darin liegt aber genau das Problem. Die Gegner des IWF sind der Ansicht, der Währungsfonds werde seinem eigentlichen Auftrag, den armen Ländern aus der Misere herauszuhelfen, nicht gerecht. Der IWF definiert seine Aufgaben ganz anders: Er will die weltweite Kooperation in der Währungspolitik und das Wirtschaftswachstum fördern, die Wechselkurse stabilisieren und bei Zahlungsbilanzproblemen nur kurzfristig einspringen. Kurzum: Der IWF will nicht die Rolle der Weltfeuerwehr spielen.

In den ersten Jahren des IWF war das auch kein Problem. Die Industriestaaten waren sozusagen unter sich, Schwellen- und Entwicklungsländer hatten weder Bedeutung noch politisches Gewicht. Das hat sich grundlegend geändert. Zurück zu den Wurzeln geht es deshalb nicht mehr. Der IWF muss ein neues Selbstverständnis finden. Er kann nicht so tun, als sei er völlig unpolitisch.

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