IWF : Das Gesicht der Institution

Der Internationale Währungsfonds sucht einen Nachfolger für Dominique Strauss-Kahn. Auf den neuen IWF-Chef warten große Herausforderungen.

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Frankfurt am Main - Europa ringt weiter um die Vorherrschaft im Internationalen Währungsfonds. Neben Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Außenminister Guido Westerwelle (FDP) machte am Freitag auch Frankreichs Außenminister Alain Juppé deutlich, dass er wieder einen Europäer an der Spitze des IWF sehen wolle. Auf einen Kandidaten haben sich die Europäer noch nicht geeinigt, als Favoritin gilt die Französin Christine Lagarde. Aus EU-Kreisen hieß es, eine Entscheidung könnte auf dem G-8-Gipfel fallen, der am nächsten Donnerstag im französischen Deauville beginnt. Doch wie wichtig ist der Posten, den Dominique Strauss-Kahn wegen des Vorwurfs der sexuellen Nötigung aufgeben musste? 

Der 62-jährige Franzose war seit Ende 2007 das Gesicht des IWF. Mit seiner offenen, zupackenden und charmanten Art hat er den Fonds geprägt. Dabei managt der geschäftsführende Direktor zwar das tägliche Geschäft, die wichtigen Entscheidungen aber fallen im 24-köpfigen Exekutivdirektorium und im Internationalen Währungs- und Finanzausschuss (IFMC), der zwei Mal im Jahr zusammentritt. Dort haben die Industrieländer das Sagen.

Trotzdem bleibt der „Managing Director“ der wichtigste Posten im IWF. Das zeigt sich schon daran, dass die eher spröden Vorgänger von Strauss-Kahn – Ex-Bundespräsident Horst Köhler und der Spanier Rodrigo de Rato – den Niedergang des IWF bis 2007 kaum bremsen konnten. Damals lag die Institution fast am Boden. Es gab sogar Diskussionen, ob man die Behörde im Herzen der US-Hauptstadt Washington überhaupt noch braucht: Keine Finanz- und Zahlungsbilanzkrisen belastete die Weltwirtschaft, die großen IWF-„Kunden“ wie Brasilien, Indonesien und Argentinien hatten ihre Außenstände nahezu getilgt. Neue Kreditanfragen gab es nicht. Die Welt-Finanzfeuerwehr war nicht mehr gefragt. Hinzu kam: Der einst so mächtigen Institution fehlten die Einnahmen.

Gegründet worden war der IWF 1944 auf einer internationalen Konferenz in Bretton Woods im US-Bundesstaat New Hampshire. Die rund 2700 Experten des Fonds schauen auf Zahlungsbilanzen, Wechselkurse, die Währungspolitik und darauf, dass all dies in einer gesunden Balance steht und das Wachstum der Weltwirtschaft fördert. Finanziert wird der Fonds durch Beiträge seiner 187 Mitgliedsländer. Jedes Mitglied, das Probleme mit seinen Finanzen oder seiner Währung hat, kann auf die Hilfe des IWF zählen – in Form von Beratung oder über Kredite, die an strikte Auflagen gebunden sind. In den neunziger Jahren hat das viel Kritik hervorgerufen. Die Ärmsten der Armen litten unter den IWF-Programmen. Sozialausgaben mussten drastisch gekürzt und Steuern erhöht werden, Nahrungsmittel- und Benzinpreise schossen in die Höhe.Mit der Finanzkrise und mit Dominique Strauss-Kahn an der Spitze änderte sich die Position des IWF schlagartig. Der Franzose verpasste dem Fonds eine Schlankheitskur, sorgte durch seine charismatische Art für Aufbruchstimmung bei den Mitarbeitern. Und als die Finanzkrise kam, waren die Dienste des IWF wieder gefragt. Wie Phönix aus der Asche sei der Fonds auferstanden, hieß es. 160 Milliarden Dollar an Krisenkrediten hat der IWF seitdem ausgereicht, mehr als in den neunziger Jahren während der Asienkrise. Und plötzlich standen nicht mehr Schwellen- oder Entwicklungsländer auf der Kundenliste. Sondern europäische Staaten wie Ungarn, Litauen und jetzt Griechenland, Irland und Portugal.

Der Fonds steckt aber auch in der Zwickmühle. Er soll helfen, aber nicht in die Rolle eines Welt-Finanzpolizisten oder gar einer Weltzentralbank rutschen. Der neue Chef des IWF steht auch vor der Frage, wie das viele Geld wieder eingesammelt werden kann, das die Zentralbanken in der Krise ausgegeben haben. Zudem liegt intern einiges im Argen. Die IWF-Experten haben die Finanzkrise nicht kommen sehen, wie ein vom IWF selbst in Auftrag gegebener Bericht Anfang des Jahres feststellte. Und: Die Schwellenländer wollen mehr Einfluss im IWF. Die Tatsache, dass sie für die Krise nicht verantwortlich waren, weil ihre Banken nicht zu den rücksichtslosen Spielern gehört haben, stärkt ihre Position. Strauss-Kahn ist zugute zu halten, dass er den Platz an der Spitze schnell freigemacht hat und damit eine Lähmung des IWF verhindert. Das ist auch im Sinne der Europäer: Gerade sie sind derzeit auf einen uneingeschränkt arbeitsfähigen Währungsfonds angewiesen.

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