Wirtschaft : IWF erwartet schwächeres Wachstum

Asienkrise wirkt sich stärker aus als bisher angenommen / Gute Aussichten für Währungsunion WASHINGTON (dpa).Die Finanzkrise in Südostasien stört das Wachstum der Weltwirtschaft stärker als bislang vom Internationalen Währungsfonds (IWF) angenommen.In seinem jüngsten, am Montag in Washington veröffentlichten Ausblick, hat der IWF die Prognose zum zweiten Mal innerhalb von vier Monaten zurückgenommen und geht jetzt von einem Wachstum für 1998 von 3,1 Prozent aus.Im Dezember hatten die Experten noch mit einer Wachstumsrate von 3,5 Prozent gerechnet und im vergangenen Oktober von 4,25 Prozent.Der IWF stellte anläßlich seiner am Montag begonnenen Frühjahrstagung jedoch fest, daß die schlimmsten Auswirkungen der Asienkrise abklingen und die betroffenen Märkte sich zum Teil bereits wieder erholt haben.Dank anhaltend solider Inlandsnachfrage in den meisten Industrieländern und nur begrenztem Übergreifen der Krise auf andere Regionen bewege sich die Wachstumsrate weltweit immer noch auf dem höchsten Niveau seit den siebziger Jahren. Für Deutschland sagt der IWF 1998 ein Wachstum von 2,5 Prozent voraus, 0,3 Prozentpunkte niedriger als im Oktober.Die USA legen der Prognose zufolge dagegen 0,3 Punkte zu und kommen auf 2,9 Prozent.Für Japan hat der IWF seine Wachstumsprognose drastisch von 2,1 Prozent auf Null reduziert.Dies sei sowohl eine Folge der Krise in der Nachbarregion als auch hausgemachter Probleme, vor allem verschleppter Strukturreformen.Diese seien jetzt dringend nötig, um das Wachstum wieder anzuschieben, heißt es in dem Bericht. Der IWF sagt der Europäischen Währungsunion günstige Aussichten mit anziehender Wirtschaftskraft voraus.Allerdings müßten zahlreiche Länder, namentlich Deutschland, Frankreich und Italien, wesentlich mehr für die Stärkung der Inlandsnachfrage und den Abbau der Massenarbeitslosigkeit tun.Die Asienkrise werde den Export dieser Länder, bisher ein Wachstumsmotor, merklich zurückgehen lassen.Dagegen sei die Hauptherausforderung für Großbritannien, Irland, die Niederlande, Norwegen und Dänemark, den Gefahren einer Wirtschaftsüberhitzung entgegenzuwirken.Eine noch engere Koordinierung der Währungs- und Fiskalpolitik sei nötig, um diese unterschiedlichen Positionen der Länder innerhalb der Währungsunion auszugleichen.Es sei enttäuschend, schreiben die IWF-Experten, daß viele EU-Länder nichts zum Abbau ihrer strukturellen Haushaltsdefizite unternähmen.Dringend erforderlich sei vielfach auch der Umbau der Steuer- und Sozialversicherungssysteme. Mit scharfen Worten mahnt der IWF erneut tiefgreifende Reformen zur Liberalisierung der Arbeitsmärkte an."Das Versäumnis, die europäischen Arbeitsmärkte zu reformieren, ist eindeutig die Achillesferse des Euro-Projekts", heißt es in dem Bericht."Schwach funktionierende Arbeitsmärkte charakterisieren die meisten der beteiligten Länder, einschließlich der drei größten." Die heranrückende Einführung der europäischen Gemeinschaftswährung vergrößere die Dringlichkeit von Reformen der Steuer- und Sozialsysteme, der Arbeitsgesetzgebung und der Einführung von Anreizen für die Schaffung von Arbeitsplätzen.Initiativen zur Verkürzung der Arbeitszeit und zur Anhebung des Lohn- und Gehaltsniveaus würden das Problem der strukturellen Arbeitslosigkeit dagegen nur verschärfen.

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