Wirtschaft : IWF-Experte Michael Frenkel spricht sich für zügige Reformen aus

Herr Frenkel[der Währungsfonds ist in den ve]

Michael Frenkel ist Professor für Volkswirtschaftslehre und internationale Beziehungen an Hochschule für Unternehmensführung in Koblenz.

Herr Frenkel, der Währungsfonds ist in den vergangenen Monaten stark unter Beschuss geraten. Kann man den IWF überhaupt noch reformieren oder hat er ausgedient?

Von Abschaffen halte ich nichts. Abgesehen davon ist der IWF von ganz unterschiedlichen Richtungen kritisiert worden. Die einen sagen, der Fonds vergibt zu viele Kredite. Die anderen sagen, der IWF unterstüzt die Krisenländer zu wenig und seine Auflagen seien zu hart. Meines Erachtens kann der IWF durchaus erfolgreich Krisen verhindern und bewältigen helfen, wenn er sich auf seine Kernkompetenzen konzentriert. Diese bestehen aus der wirtschaftspolitischen Beratung und der kurzfristig ausgerichteten Kreditvergabe bei Zahlungsbilanzproblemen.

In den USA war die Kritik am IWF besonders laut. Woran liegt das?

Das hängt vor allem mit der Skepsis der Amerikaner gegenüber internationalen Organisationen und den hohen finanziellen Verpflichtungen der USA gegenüber diesen Institutionen zusammen. Außerdem gibt es in den USA Strömungen, die das Krisenmanagement am liebsten vollständig dem Markt überlassen wollen.

In welche Richtung müssten denn die Reformen gehen?

Der IWF muss sich mehr darauf konzentrieren, Krisen verhindern zu helfen. Und wenn es um die Bewältigung von Krisen geht, sollte er die betroffenen Staaten nur kurzfristig unterstützen. Denn längerfristige Aufgaben - etwa die Bekämpfung der Armut in einem Land - müsste er der Weltbank überlassen. Es sollte also in jedem Fall zu einer schärferen Aufgabenteilung zwischen Weltbank und IWF kommen.

Der IWF wurde oft wegen seiner verfehlten wirtschaftspolitischen Auflagen bei der Kreditvergabe kritisiert. Sollte er diese Auflagen ganz aufgeben?

Nein. Kredite des Fonds sollten immer mit Bedingungen an die Wirtschaftspolitik verbunden sein. Ansonsten würden die Ursachen der Krisen in aller Regel weniger bekämpft werden. Finanzhilfen würden in ein Fass ohne Boden fließen. Das heisst aber auch, dass die Auflagen stimmen müssen. In Asien war das anfangs nicht der Fall. Allerdings hat der Fonds seine Politik der harten Haushaltskonsolidierung später korrigiert.

Wie kann der Privatsektor stärker in das Krisenmanagement mit einbezogen werden?

Es gibt verschiedene Ansätze. Zur Verhinderung der Krisen sollte auf jeden Fall die Transparenz des Finanzsektors und der Schuldenstruktur in den betroffenen Ländern erhöht werden. Damit wäre für viele Investoren der Anreiz für kurzfristige Anlagen geringer. Was die Bewältigung von Krisen betrifft, wäre die Verwendung von anderen Anleihe-Verträgen als bisher sinnvoll. Denn Anleihe-Gläubiger waren bisher von Beiträgen zu Umschuldungsverhandlungen ausgeschlossen. Sie sollten aber genausos wie andere Gläubiger Risiken übernehmen.

Sie sprechen sich für mehr Transparenz aus, warnen aber auch vor Frühwarnsystemen?

Mit Transparenz meine ich das Datenmaterial über die Länder, über ihren Bankensektor, über Währungsreseserven und Vieles mehr. Damit sollte der IWF internationalen Anlegern noch mehr Information an die Hand geben. Außerdem sollte die Bankenaufsicht gestärkt werden. Ich halte aber nichts von Frühwarnsystemen, die etwa bei einem bestimmten Wechselkursverhältnis, die Lämpchen aufleuchten lassen. Damit können Krisen auch heraufbeschworen werden. Das Interview führte Karin Birk

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