Wirtschaft : IWF: Industrieländer dringen auf Reform des Währungsfonds

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Ursprünglich hatte der neue IWF-Chef Horst Köhler seine Vorstellungen zur Neuordnung des Internationalen Währungsfonds erst im September vorlegen wollen - doch so viel Zeit geben ihm die führenden Industrienationen nicht: Schon beim G-8-Gipfel am 21. Juli in Japan soll über die Zukunft des IWF gesprochen werden. Besonders die Finanzminister der G-7 (ohne Russland) wollen den IWF wieder auf seine ursprüngliche Rolle, die Finanzierung von Zahlungsbilanzdefiziten, zurückführen. Entwicklungskredite zur Bekämpfung der Armut soll wieder die Weltbank bereitstellen.

In den vergangenen Jahren hatten sich die Aufgaben und Ziele von IWF und Weltbank häufig überlappt und damit konterkariert. Unter der dreizehnjährigen Regentschaft von Köhlers Vorgänger, des Franzosen Michel Camdessus, hatte sich der Fonds immer mehr Aufgaben zu Lasten der Weltbank an Land gezogen. Aber die Finanzierung der Systemänderungen im ehemals kommunistischen Block, die zunächst in Mexiko, sodann in Thailand, Indonesien und Korea ausgebrochenen Krisen sowie die klassischen Aufgaben in der Dritten Welt überforderten sogar den IWF.

Noch vor der Realisierung der im Herbst 1997 in Hongkong beschlossenen Quotenerhöhung, einer Kapitalaufstockung um 45 Prozent, geriet der Währungsfonds in eine Liquiditätsklemme. Seit dem Inkrafttreten der jüngsten Quotenerhöhung schwimmt der Fonds zwar wieder im Geld, aber anders als unter Camdessus soll der Währungsfonds nun auf seine Kernaufgaben zurückgeführt werden. Doch die Statuten des IWF aus dem Jahre 1944 werden je nach Bedarf unterschiedlich ausgelegt.

Köhler, so die Hoffnung der Europäer bei der Berufung des vormaligen Präsidenten der Osteuropabank an die Spitze des Währungsfonds, sollte die Position des IWF im beginnenden 21. Jahrhundert neu fixieren. Die Europäer, die mit einem Drittel der Stimmen die größten Anteilseigner bei IWF und Weltbank sind, sollten nach der selbstbewussten Forderung des französischen Premierministers Lionel Jospin "mit einer Stimme sprechen". Doch von einer solchen Einigkeit kann bei den europäischen Vertretern im Exekutivdirektorium nicht immer die Rede sein.

Köhler, der zu seinen Reformplänen für den IWF in dieser Phase nichts sagen will, steht schon jetzt zwischen mächtigen Mühlsteinen. Da sind die USA, die sich auf den so genannten Meltzer Report stützen und die angebliche "Verschwendung" von Milliardengeldern beim IWF beenden wollen. Der im Auftrag des US-Kongresses erstellte Bericht des renommierten Wirtschaftsprofessors Allan Meltzer gilt anderen IWF-Mitgliedern indessen als allzu einseitige Unterstützung der Position Washingtons im Kampf um eine Reform des Währungsfonds. Frankreich und Deutschland fordern eine härtere Haltung des Fonds bei der Einbeziehung privater Banken in Krisenlösungen. Damit ist aber wiederum England nicht ganz einverstanden.

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