Wirtschaft : IWF-Jahrestagung: Köhler sucht Dialog mit Kritikern der Globalisierung - Widerstand formiert sich

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Prag rüstet sich für die Jahrestagung von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank. Zur Bändigung der erwarteten Proteste während der Prager Tagung zwischen dem 19. und 28. September planen das Innen- und das Verteidigungsministerium in Prag den Einsatz von rund 11 000 Polizisten sowie 1600 Soldaten. Prager Schulen sollen schulfrei bekommen. Der öffentliche Nahverkehr wird weiträumig um den Tagungsort im Prager Kongresszentrum umgeleitet. Geschäftsleuten in der Nähe empfahl die Polizei, während der Tagung die Schaufenster zu räumen.

Für IWF-Exekutivdirektor Horst Köhler, der am Montag in Prag war, ist die Sache noch nicht erledigt. Er lobte zwar die Vorbereitungen. Doch der Dialog mit den Kritikern bereitet ihm Kopfzerbrechen. Dies war auch der Hauptgrund, warum er erstmals mit IWF-Kritikern aus gemäßigten Organisationen zusammentraf.

Die Furcht vor einem heißen Herbst hat auch Tschechiens Medien übermannt. Einige Zeitungen rieten davon ab, Prag Ende September zu besuchen. Die Chancen, noch ein Zimmer zu bekommen, scheinen ohnehin gering. Und wenn, dann verlangen die Hoteliers horrende Preisaufschläge. Denn die Betten werden rar, falls tatsächlich die erwarteten 15 000 Banker und Geschäftsleuten aus rund 180 Ländern nach Prag kommen. Für deren Sicherheit sei gesorgt, so die Regierung. Sie will Protestaktionen entschlossen entgegentreten. Wie - das bewies der Staat jüngst bei einer ungenehmigten, eher harmlosen Demonstration gegen das kurz vor dem Start stehende Atomkraftwerk Temelin. Eine Sondereinheit der Polizei nahm die Demonstranten in Arrest.

Staatspräsident Vaclav Havel, mit dem Köhler am Montag sprach, zieht den Dialog vor. Auch wenn Havel Gewalt als Mittel des Protests ablehnte, bezeichnete er die Argumente der Gegner der Globalisierung als durchaus verständlich. Er schlug einen Runden Tisch vor, dessen Schirmherrschaft er übernehmen könnte.

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