Wirtschaft : IWF kritisiert Verbot von Leerverkäufen EU-Kommission plant einheitliche Regulierung

Berlin/Brüssel - Das deutsche Verbot für ungedeckte Leerverkäufe sorgt für internationale Kritik. Im Mai dieses Jahres hatte die Bundesregierung das umstrittene Instrument als einziges europäisches Land untersagt, um Spekulationen an den Finanzmärkten einzudämmen. Jetzt kritisiert der Internationale Währungsfonds (IWF) solche nationalen Alleingänge bei der Finanzmarktregulierung als „unnötig“.

Bei ungedeckten Leerverkäufen wetten Anleger auf fallende Kurse. Sie leihen sich Aktien oder andere Papiere aus und verkaufen sie, nur um sie kurze Zeit später zu einem niedrigeren Kurs wieder zu erwerben und an den Eigentümer zurückzugeben. An der Differenz kann der Anleger unter Umständen viel Geld verdienen. Denn mit den Leerverkäufen gehen die Kurse in den Keller.

Nach Ausbruch der Finanzkrise waren Leerverkäufe deshalb in die Kritik geraten. Trotzdem war das deutsche Verbot hoch umstritten. Die Märkte reagierten verschreckt, die Opposition warf der Regierung „Populismus“ vor und die Finanzwelt griff die Bundesregierung scharf an.

Die Kritiker bekommen jetzt Schützenhilfe aus Washington. Der IWF geht mit dem deutschen Verbot hart ins Gericht. Zwar wird die Bundesregierung nicht namentlich angegriffen. Doch es ist offensichtlich, wer gemeint ist: „Nationale Alleingänge wirken in hoch integrierten Märkten unnötig verzerrend und ungenügend“, schreiben die Fachleute des IWF in einer Studie. Leerverkäufe seien keineswegs nur Teufelszeug, sondern könnten vielen „legitimen Zwecken“ dienen. Verbote könnten zudem leicht umgangen werden, etwa durch ein Verlagern der Geschäfte an ausländische Börsen, wo kein Verbot gilt.

Das Bundesfinanzministerium wies die Kritik zurück. „Wir stehen dazu, was wir bei ungedeckten Leerverkäufen gesetzlich geregelt haben“, sagte ein Sprecher. Die Regierung muss nun damit rechnen, dass die EU das deutsche Verbot zumindest modifizieren wird. Die Kommission will die nationalen Regeln zu Leerverkäufen europaweit harmonisieren. Der Gesetzentwurf dazu kommt voraussichtlich im September. rut/saf (HB)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben